Innerhalb eines Jahres sind in Berlin erneut Tausende Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Das geht aus einer Antwort von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Gaby Gottwald hervor. Von Juli 2017 bis Ende Juni 2018 wurden nach einer ersten Auswertung etwa 14.000 Wohnungen umgewandelt.

Das passierte vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg (rund 3300), Charlottenburg-Wilmersdorf (2800 Wohnungen) und Mitte (rund 2400). Laut Senatsverwaltung ist die Statistik eine Momentaufnahme, weil nachträglich noch Fälle dazukommen können. Dass es jährlich Tausende Umwandlungen gibt, zeigte zuletzt auch eine andere Erhebung.

Besitzer wohnen häufig selbst in Eigentumswohnung

Nach Daten der Gutachterausschüsse, die Kaufverträge auswerten, wurden im Gesamtjahr 2017 rund 16.500 Mietwohnungen zu Einzeleigentum. Zuletzt war etwa jede vierte Wohnung in Berlin eine Eigentumswohnung. Mehr als die Hälfte der Eigentumswohnungen wird von den Besitzern bewohnt (60 Prozent), der Rest wird vermietet.

Der Immobilienmarkt in Berlin boomt seit geraumer Zeit. Weil viele Menschen in die Stadt ziehen, kann die Wohnungssuche in vielen Gegenden zur Geduldsprobe werden. Die Mieten steigen. In manchen Kiezen - sogenannten Milieuschutzgebieten - gelten für Modernisierungen oder auch Umwandlungen daher strengere Regeln.

Allerdings werden auch dort noch Häuser in einzelne Wohnungen aufgeteilt, wie aus der parlamentarischen Anfrage hervorgeht. In einem Jahr seien nach bisherigen Angaben „lediglich zwei“ Anträge auf Umwandlung untersagt worden, heißt es in der Antwort Lompschers. Die anderen Anträge wurden auch wegen einer Ausnahmeregel genehmigt.

Wenn sich der bisherige Besitzer verpflichtet, Wohnungen für sieben Jahre nur an Mieter zu verkaufen, muss eine Umwandlung in Milieuschutzgebieten genehmigt werden. In der Realität machten aber nur wenige Mieter davon Gebrauch, kritisierte Gottwald. Sie fordert, die Ausnahme abzuschaffen. Berlin ist mit dem Vorstoß, das im Bundesrecht zu ändern, im Bundesrat allerdings gescheitert.

Mieter vor Verdrängung schützen

Gottwald sieht die Umwandlung von Mietshäusern generell kritisch, weil neue Besitzer oft versuchen würden, Mieter loszuwerden. Die neuen Käufer wollten oft selbst in der Wohnung leben oder die Miete bei einem Mieterwechsel erhöhen. Auch der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, sieht Handlungsbedarf.

Zweck der Milieuschutzgebiete sei, Mieter vor Verdrängung zu schützen. Bei einer Umwandlung steige dieses Risiko, sagte Wild. Seit der veränderten Gesetzgebung 2015 sei die Zahl der Umwandlungen in geschützten Gebieten zurückgegangen, es gebe sie aber immer noch. Die Verkäufer machten sich dabei bestimmte Lücken im Gesetz zu Nutze. (dpa)