Brett Myers nimmt den Döner für seinen Blog genau unter die Lupe.
Foto: Gerd Engelsmann

BerlinBrett Myers hält einen Döner in der Hand, über den er nicht schreiben wird. Zum ersten Mal, seit es seinen Blog gibt. Nicht, weil er sich davor scheut, eine mögliche schlechte Bewertung online zu stellen. Schlicht und einfach deshalb, weil ihm der Appetit vergangen ist. Er fühlt sich ungerecht und falsch behandelt. Als die Berliner Zeitung mit ihm an einem Dönerladen in der Neuköllner Hermannstraße verabredet war, sind ihm und uns Fotoaufnahmen für seine Webseite und unsere Zeitung strengstens untersagt worden. Obwohl der Fotograf Brett Myers mit dem Döner in der Hand nur auf der Straße fotografiert hat und der Laden sowie einzelne Personen im Hintergrund nicht scharf zu erkennen sind, ist die Polizei gerufen worden. Sie hat für Klärung gesorgt. Den Döner, der inzwischen kalt geworden ist, isst Myers dennoch auf. Ein Genuss ist das unter diesen Umständen für ihn nicht. Und über den Döner schreiben will Myers nicht mehr. „Es fühlt sich nicht gut an“, sagt er. „Das ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebe. Dabei hat mir einer meiner Leser diesen Dönerladen empfohlen.“

Myers testet Döner in Berlin und beurteilt auf seinem Blog Doenerstag.com ihre Qualität. Das Besondere: Myers kommt aus den USA – wo man Döner so gut wie gar nicht kennt. Myers erzählt von dem Döner-Hotspot in New York: dem „Kotti“. Seit 2017 bietet der am Kottbusser Tor aufgewachsene Erkan Emre in Brooklyn Döner an. Myers ist allerdings noch nie dort gewesen. Er stammt aus Houston. Dort lernte er seine deutsche Freundin kennen, die maßgeblich daran beteiligt ist, dass Myers in Berlin zum Döner-Tester avanciert ist.

„Döner sind das Lieblingsessen meiner Freundin. Als ich vor rund einem Jahr nach Deutschland kam, habe ich es probiert, und es hat mir sofort geschmeckt“, sagt Myers. An seinen ersten Döner erinnert er sich noch: „Das war nach einigen Späti-Bieren im ‚Bagdad-Bistro‘ am Schlesischen Tor.“ Da er aber nicht gewusst habe, wo er dauerhaft einen guten Döner in Berlin finden soll, war die Idee zu einem eigenen Blog schnell geboren. „Es gibt viele Empfehlungen für einen guten Döner hier, aber es gab keine richtig zufriedenstellende Rezension. Ich esse und ich schreibe gerne und dachte mir, dass ich es einfach selbst mache“, sagt er. Einen Blog zu kreieren, war für den gelernten Grafikdesigner ein leichtes Spiel. Über 50 verschiedene Dönerläden hat Myers inzwischen besucht. Zu Beginn aß er drei- bis viermal pro Woche einen Döner, mittlerweile isst er einen Kebab in der Woche. Wo er hingeht, entscheiden in der Regel seine Leser. Sie geben ihm Tipps, welcher Döner sich lohnt.

Bei unserem zweiten Treffen ein paar Tage später landen wir am Kottbusser Tor bei „Söner“. Myers etwas erlebt, was er bis dato noch nicht gekannt hat. Diesmal handelt es sich um das Produkt selbst. Der Fleischspieß besteht komplett aus Sucuk, der türkischen Knoblauchwurst. Das Konzept mit dem Sucuk-Spieß gebe es so schon seit Jahren in der Türkei, erklärt man uns. Dort gebe es aber keinen Salat und keine Soßen im Fladenbrot. Und die Brote würden nicht täglich von einer Bäckerei frisch gebacken, weswegen man besonders stolz sei, dass man hier ein besonderes Konzept als Vorreiter umsetze.

Myers bestellt seinen Döner stets mit denselben Zutaten – „damit es für alle Läden fair ist“. Grünen Salat, Zwiebeln sowie Weiß- und Rotkohl nimmt er immer, auf Tomaten verzichtet er. „Bei den Soßen wähle ich Kräuter und scharf.“ Dennoch vergibt er in seinen Beurteilungen auch Sonderpunkte für spezielle Ideen wie zum Beispiel weichen Grillkäse im Döner vom „Rosenthaler Grill“ und vom „Schlemmerbuffet“ in der Torstraße. Myers Fazit zum Besuch bei „Söner“ lautet: „Das Fleisch ist lecker, sie haben ein besonderes Augenmerk darauf gelegt. Ich würde aber beim nächsten Mal weniger Soße bestellen, damit das Sucuk noch besser zur Geltung kommt.“

Überhaupt sei das Fleisch für ihn das Wichtigste bei einem guten Döner. „Die höchste Qualität findet man in Berlin in Dönerläden, die ihr Fleisch noch selbst auf den Drehspieß aufstecken und marinieren“, sagt er. Zu Myers Lieblingsläden zählen das „Rüya“ in Charlottenburg oder das „Tekbir“ in Kreuzberg. Generell stellt Myers der Berliner Dönerszene ein gutes Zeugnis aus. „Ich kenne keinen besseren Ort als Berlin, um einen guten Döner zu essen“, sagt er. Sein Lieblingsessen ist Döner indes nicht. „Ich genieße jeden Döner sehr. Meine Lieblingsküche ist aber die italienische, Pizza mag ich besonders gern.“