Wölfe finden im Wildpark genügend Rückzugsmöglichkeiten. 
Foto: Volker Hohlfeld

BerlinDie dunkle Jahreszeit hat Berlin fest im Griff. Und doch werden die Tage länger, und vielleicht verspüren auch Sie den Wunsch, mal rauszufahren. Im Norden Brandenburgs befindet sich die Schorfheide, ein riesiges Waldgebiet. Die Ortschaft Groß Schönebeck bietet überraschend viele Möglichkeiten für einen Tagesausflug.

 Zum einen können Besucher durch die wunderbare Landschaft wandern, im Wildpark Schorfheide hinterm Zaun Wölfe und andere einheimische Tiere  aus der Nähe sehen und sich danach im Jagdschloss aufwärmen und eine umfangreiche Ausstellung über die Schorfheide als Jagdrevier der preußischen Könige besuchen.

Geschichte erleben im Jagdschloss Schorfheide 
Foto: imago/Rex Schober

Die Anreise ist nicht nur mit dem Auto möglich, sondern auch mit der Heidekrautbahn. Vom Bahnhof Groß Schönebeck geht es einen drei Kilometer langen ausgeschilderten Weg zum Wildpark. Ein schöner Spaziergang. Die Heidekrautbahn bringt Ausflügler am Wochenende alle zwei Stunden von Berlin-Karow nach Groß Schönebeck. Vom Bahnhof ist es nicht weit bis zum Jagdschloss.

SED-Chef Erich Hoenecker jagte in Schorfheide

In der Schorfheide sind Jagd und Macht seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Das Jagdschloss selbst wurde 1540 erbaut. Erst ab 1834 erhielt das Schloss unter König Friedrich Wilhelm III. sein heutiges Aussehen mit dem fast quadratischen Grundriss. Das Schloss diente als Aufenthaltsort der königlichen Herrschaften und ihrer Jagdgäste.

In der Schorfheide jagte Kaiser Wilhelm II. bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und es schossen Politiker der Weimarer Republik. Hermann Göring, der zweite Mann hinter Hitler, war auch NS-Reichsjägermeister und lud Gäste aus aller Welt zur Jagd in den Waldhof Carinhall.

Im Norden von Berlin

Wildpark Schorfheide, Prenzlauer Straße 16, 16244 Schorfheide, OT Groß Schönebeck. Täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Letzter Einlass  16 Uhr. 8 Euro, ermäßigt 5,50 Euro.

Jagdschloss Schorfheide, Schloßstraße 7, 16244 Schorfheide. Sonnabend und Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr und 13 bis 17 Uhr. 6,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.  

Informationen zur Schorfheide auf der Webseite www.schorfheide.de

Literatur: Jagd und Macht – Die Geschichte des Jagdreviers Schorfheide, Buch von Burghard Ciesla, 256 Seiten, geb., 28 Euro.



Das repräsentative Anwesen befand sich mitten in der Schorfheide, wurde durch Fliegerbomben fast komplett zerstört. Und auch SED-Chef Erich Honecker jagte in der Schorfheide. All diese politischen Umbrüche des letzten Jahrhunderts zeigt die Dauerausstellung im Schloss.

Eine Sonderausstellung widmet sich dem Boxer Max Schmeling, der in seiner Freizeit als leidenschaftlicher Jäger auch in der Schorfheide war. Jagdtrophäen und Jagdbekleidung zeigen den Waidmann Schmeling. Er ging mit seiner Leidenschaft nie hausieren, wusste er doch, dass es bei manchen nicht gut ankommt, wenn man Tiere tötet. Die Schorfheide ist ein Ort großer Ruhe. Es passiert dort nicht viel – und gerade das ist so angenehm.

Luchse, Wölfe und Hirsche in einer Märchenlandschaft

Die Uhren ticken langsamer. Es ist ein Geschenk an alle Ruhesuchenden, die der Großstadt entfliehen wollen. Im Wildpark leben ausschließlich Tierarten, die auch in der Schorfheide heimisch sind oder waren: Wölfe, Fischotter, Rotwild, aber auch die in freier Wildbahn ausgestorbene Wisente, Elche und Przewalski-Pferde.

Mit viel Glück kann man im Wildpark einen Elch beobachten.
Foto: imago images

Der Wildpark züchtet vom Aussterben bedrohte Haustierrassen wie Englische Parkrinder, rauhwollige pommersche Landschafe und Wollschweine. Das Gelände ist 105 Hektar groß. Wege führen an den Freigehegen vorbei. Die Tiere haben Rückzugsmöglichkeiten und können sich vor Besuchern verstecken. Man soll leise sein und  Geduld haben bei der Beobachtung.

Dann wird man oft auch belohnt. Luchse, Wölfe, Hirsche tauchen wie in einer Märchenlandschaft auf. Wildschweine, die in der Erde wühlen, ein Wolf, der das Dickicht verlässt, ein röhrender Hirsch mit großem Geweih. Man kennt sich als Berliner ja besser mit Pandas und Koalas aus als mit einheimischen Wildtieren. Sie sind ziemlich beeindruckend, wenn sie so direkt vor einem stehen.