Abstand halten und warten: Nach der Lockerung des Lockdowns probieren erste Kunden bei Media Markt im Alexa das Einkaufen.
Foto: Markus Wächter

BerlinEin Parkplatz direkt vor der Tür? Das hatte man sonst nicht. Auch vieles andere hat sich verändert rund um den Einkauf. Aber, was soll man meckern. Immerhin, es ist wieder auf. Nach Wochen des weitgehenden Lockdowns öffneten am Mittwoch in Berlin die Geschäfte wieder – mit zahlreichen Auflagen allerdings. Im Alexa am Alexanderplatz gerät auf diese Weise das Einkaufen zu einer kleinen Erlebnisreise.

Das Abenteuer beginnt bereits am Eingang. Jeder, der im Alexa in diesen Tagen etwas besorgen möchte, muss durch den Haupteingang. Alle anderen Zugänge sind versperrt. Und auch am Haupteingang geht es nicht einfach so direkt hinein. Die Passage vor den großen Glastüren hat sich verändert. Absperrgitter wurden aufgestellt, und zwar so, dass der Kunde erstens an Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes vorbei muss, und sich zweitens nur im Zickzack zwischen den Gittern langsam auf den Eingang zu bewegen kann. „Abstand halten“, heißt es auf Schildern und wer sich nicht daran hält, wird darauf hingewiesen.

Vor dem Eingang: Im Zick Zack zwischen den Gittern hindurch.
Foto: Markus Wächter

Nicht, dass das wirklich notwendig wäre an diesem ersten Tag. Am Vormittag ist die Zahl der Einkaufswilligen überschaubar. Man läuft einfach hindurch – in Schlangenlinien. Jeder, der die Absperrgitter passiert, wird gezählt. Die Sicherheitsleute sind mit Zählern ausgerüstet. Ein Klick für jeden Kunden.

Laut Auflage dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Größere Läden müssen Bereiche absperren. Es sollen 20 Quadratmeter Fläche für jeden Kunden zur Verfügung stehen. Für das Alexa hochgerechnet bedeutet das, dass sich höchstens 2100 Menschen gleichzeitig im Center aufhalten dürfen. Deshalb wird am Eingang gezählt, wer rein und wer raus kommt. Darüber hinaus gibt es Auflagen für Mundschutz und Handschuhe bei den Mitarbeitern, für Schlangen und weiteres mehr.

Es ist nicht wirklich viel los an diesem ersten Vormittag. Etwa jeder zweite Laden hat geöffnet. Butter Lindner, der Touristenshop, ein Optiker, das Schokoladengeschäft Hussel sind geschlossen. Am Eisstand kauft eine Frau eine Kugel Rote-Grütze-Eis. Normalerweise würden Teenager auf Klassenfahrt den Stand um diese Uhrzeit belagern. Aber die Verkäuferin ist froh, dass jetzt wieder ein paar mehr Geschäfte geöffnet sind. Sie hofft auf mehr Kunden.

Direkt gegenüber entwickelt sich vor dem Eingang zum Technikgeschäft Media Markt bereits eine Schlange. Der Anblick lässt die Eisverkäuferin lächeln. Zwei Männer warten dort darauf, den Technikmarkt betreten zu dürfen. Sie wissen bereits genau, was sie kaufen wollen: eine Spielkonsole.

Genau so sei es richtig, erläutert ein Marktmitarbeiter am Informationsstand, wenn man ihn fragt. Mediamarkt reguliert den Zutritt zum Geschäft der Einfachheit halber anhand von Einkaufskörben. 40 Körbe sind vorhanden. Mehr Kunden dürfen nicht rein. Verlässt ein Kunde den Laden wieder, desinfiziert ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes den Griff und drückt den Korb dem nächsten in der Warteschlange in die Hand. Die oberen Etagen sind abgesperrt. Wer also einkaufen möchte, sollte wissen, was er will, damit die Mitarbeiter die Produkte aus den oberen Etagen heranschaffen können. „Richtige Beratung können wir unter diesen Umständen natürlich nicht machen“, sagt der Mitarbeiter am Informationsdesk.

So ähnlich und dann doch wieder ein bisschen anders sieht es überall aus. Jedes Geschäft hat sich je nach Größe eigene kreative Lösungen für Zugangsbeschränkungen und Minimierung der Ansteckungsgefahr überlegt. Mitarbeiterinnen im Beauty-Shop desinfizieren ihren Kunden die Hände und geben ihnen eine Papiertüte für den Einkauf. In den Bekleidungsgeschäften gibt es Einbahnstraßenregelungen beim Zugang und abgesperrte Bereiche. Viele haben umgeräumt, um eine größere Auswahl präsentieren zu können, und überall sind Sicherheitsleute präsent.

Centermanager Oliver Hanna wirkt erstmal zufrieden mit dem bisher Erreichten, wenn man ihn in der dritten Etage des Alexa in seinem Büro besucht. „Es ist ein Ausprobieren. Noch haben nicht alle Läden geöffnet. Wir müssen selbst erstmal sehen, welche nun öffnen werden und welche nicht“, sagt er. So sei es eben, wenn eine Verordnung verabschiedet werde und am nächsten Tag bereits in Kraft trete. Viele Betreiber hätten angegeben, dass sie noch etwas Zeit brauchen, um sich zu organisieren und zu überlegen, welche Mitarbeiter überhaupt einsetzbar sind. Mitarbeiter mit kleinen Kindern müssten etwa erst mal deren Betreuung organisieren.

Normalerweise besuchen das Alexa etwa 40.000 Kunden am Tag. Am Mittwoch würden es wohl um die 11.000 werden, schätzt Oliver Hanna gegen Mittag. Das sei doch schon mal was, sagt er.

Das Corona-Update als Newsletter

* Hierbei handelt es sich um Produkte, die von der oben genannten Gesellschaft angeboten werden: gedruckte/digitale Presseprodukte ggf. mit Zugaben sowie Produkte des Verlags: Bücher, Reisen, Veranstaltungen.