Berlin - Der Impftermin ist geheim und soll es auch bleiben. In Friedrichshain findet eine Impfaktion statt, mit der sich die Betreiber einer Teststation für die viele Unterstützung aus ihrem Kiez bedanken wollen. Deshalb werden irgendwann vor der Revolte-Bar drei kleine Zelt-Pavillons aufgebaut, dann werden dort drei Ärzte sitzen, werden die vorgeschriebenen Beratungsgespräche durchführen, derweil wird das medizinische Fachpersonal alles vorbereiten und dann wird geimpft. Genau 200 Impfdosen sollen es sein. Und genau 200 Leute stehen auf der Anmeldeliste. „Wir sind voll, alles ausgebucht“, sagt Hannibal Hanschke, Fotograf und Betreiber der Bar.

Genau deshalb soll der Termin auch geheim bleiben. „Es gibt noch viele Leute, die keine Impfung haben, und wir wollen hier keinen Massenauflauf von Leuten, die nicht angemeldet sind“, sagt der 47-Jährige. „Wir wollen niemanden wegschicken müssen.“

Volkmar Otto
Die Impfdosen für die Aktion wurden rechtzeitig bestellt.

Die Aktion ist typisch für den Samariterkiez, in dem die Leute gern die Läden vor Ort unterstützen und gezielt dort einkaufen oder sich vergnügen. Die Revolte-Bar war von Anfang an ein nicht-profitorientiertes Projekt, sagt Hanschke. „Es ging nie ums Geldverdienen, wir wollen ein Wohnzimmer für den Kiez sein.“ Deshalb sind die Preise so gestaltet, dass die Miete und die Nebenkosten eingespielt werden und das Geld für das Personal. Aber es geht nicht um Gewinn.

Und genau deshalb fehlten auch Rücklagen, als die Gastronomie coronabedingt schließen musste. „Wir waren wirklich gerührt, dass so viele Leute für uns gespendet haben“, sagt er. Allein drei Leute hätten die Miete für vier Monate gespendet, dazu kam eine Crowdfunding-Sammlung. Und dann kam ein Stammgast – ein Arzt – auf die Idee mit dem Testzentrum.

Die Bar kann nun zwei Jahre überleben

Alle arbeiten dort ehrenamtlich, damit Geld für den Erhalt der Bar zusammenkommt. Die Leute aus dem Kiez seien gern gekommen, sagt Hanschke, weil hier ein Arzt dabei sei, weil die Atmosphäre ganz entspannt sei und weil es eine ordentliche Buchführung und klare Belege für jeden Test gebe. „Es kamen so viele Leute, dass wir weitere zwei Jahre überleben können“, sagt Hanschke. „Deshalb auch als Dank die Impfaktion für den Kiez.“

Der Arzt Steffen Lüder sagt: „Unsere Priorisierung war, dass die Leute aus diesem Kiez kommen müssen.“ Es wurden ein paar Aushänge aufgehängt, und die Leute konnten sich anmelden. Lüder musste wie jeder Arzt die Impfdosen per Rezept bestellen. „Nicht immer bekommen wir alles, aber diese Aktion ist abgesichert.“

In Berlin hat es unbürokratisch geklappt

Als Kinderarzt sei er Impfarzt, das sei sein Alltag und eine Herzenssache. Er habe auch schon 580 Erwachsene geimpft. Der 55-Jährige freut sich, dass alles in Berlin so unbürokratisch klappte, er brauchte für die Bar extra eine neue Betriebsstätten-Nummer, die er innerhalb von 24 Stunden bekam. Eine ähnliche Aktion in seiner Geburtsstadt Treuenbrietzen habe nicht geklappt, berichtet er. „In Brandenburg war es nicht möglich, das juristisch korrekt zu organisieren.“

Er betont, dass die Impfung in der Bar eine medizinische Behandlung sei, genau wie in seiner Praxis. „Es ist Fachpersonal da, es ist dieselbe Aufklärung, dieselbe Dokumentation. Nur eben in einer Bar.“