Die ersten Schritte sind gemacht – sie waren überfällig. Die Abschaffung der 2G-Regel im Einzelhandel, in Galerien, Museen, Gedenkstätten und Bibliotheken, aber auch bei Stadtrundfahrten, wie sie der Berliner Senat am Dienstag beschlossen hat, war dringend notwendig. Zu groß war einerseits der Druck aus den entsprechenden Branchen, zu klar aber auch die Corona-Zahlen in der Hauptstadt.

Nein, Corona ist nicht besiegt, die Berliner Ampel steht immer noch auf doppelt Rot (Inzidenz und Krankenhauseinweisungen), aber sie steht auch auf einmal Gelb (Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten). Und die Tendenz ist rückläufig. Fachleute sagen, der Scheitelpunkt sei erreicht, wenn nicht überschritten. Da muss der Senat Erleichterungen erlassen. Von Lockerungen zu sprechen, verbietet schon die Maskenpflicht. Es bleibt bei massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der persönlichen Freiheiten. Bis auf weiteres, denn Corona liegt nicht hinter uns. Dennoch, wenn sich die Zahlen so weiterentwickeln, muss im März auch 2G-plus in der Gastronomie abgeschafft werden. Zwingend.

Bleibt das Problem der Impfmüdigkeit. Die Impfquote in Deutschland und auch in Berlin verharrt unter 80 Prozent – auskömmlich wäre laut Fachleuten ein Wert von 90 Prozent. Aber es ist nicht zu erkennen, dass es noch einmal einen Schub geben könnte. Wer sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, wird es wohl kaum mehr tun. Der Versuch, mit Zuckerbrot und Peitsche (mehr Möglichkeiten für Geimpfte, weniger für Ungeimpfte) die Quote nach oben zu treiben, ist gescheitert. Das ist schlecht, war aber von vielen erwartet worden. Jetzt müssen wir uns alle auf ein Frühjahr hinter Masken einstellen. Das ist keine schöne Vorstellung. Aber es ist vernünftig. Mehr nicht.