Daniela aus München (li) und Kirstin aus Prenzlauer Berg genießen den neueröffneten Teil des Mauerparks.
Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinSechs Mitarbeiter des Ordnungsamtes schlendern an diesem heißen Sonntagmittag durch den Mauerpark – über das neue Areal der Grünanlage. Sie haben wegen der Hitze kurzärmeligen Hemden an, plaudern ab und an mit einem Besucher, der eine Frage hat. Der Park liegt dort, wo einst die Mauer die Stadt in Ost und West geteilt, den Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg vom West-Berliner Wedding abgeschottet hat.

Sie wollen nur mal sehen, wie der neue Teil des Mauerparks aussehe, sagt eine Frau aus der Gruppe der Ordnungshüter. Um dann hinzuzufügen: „Es ist wirklich schön geworden.“ Aber wer wisse, wie lange dieser Zustand noch anhalte. Sie zeigt in Richtung des Rasens, der sich braun abzeichnet, den die Sonnenstrahlen längst verbrannt und Tausende Besucher des Park plattgelegen oder plattgesessen haben. Dort war bisher die Grenze des Mauerparks.

Am Freitagabend öffnete der neue Teil des Parks für die Öffentlichkeit – nach jahrelanger Bauzeit. Für mehr als 14 Millionen Euro wurde ein ehemaliges Gewerbegebiet, das an den Mauerpark grenzte, der Grünfläche zugeschlagen. Die Fläche des ausgewiesenen Erholungsgebiets mitten in der Stadt hat sich nunmehr auf 15 Hektar fast verdoppelt. Nur ein paar Baucontainer zeugen noch vom Umbau. Jetzt erstrecken sich auf dem einstigen Gewerbegebiet saftig grüner Rasen, sechs Reihen neugepflanzte Bäume, Spielflächen für Kinder und Orte zum Ausruhen und Verweilen.

Und der neue Teil des Parks wird angenommen. Vor allem von Familien. Mittelpunkt des Mauerparks ist nun die Begegnungsfläche. Ein Rondell, das durch Granitblöcke abgegrenzt ist. In der Mitte steht eine riesiger Steintisch mit Steinbänken. Eva Lorenz und ihre Bekannte Saskia Döhn sitzen dort schon seit mehr als einer Stunde. Sie haben selbstgemachte Salate mitgebracht, zwei große Wasserflaschen  stehen auf dem Tisch und eine Flasche Chardonnay.

„Es war immer zu voll hier“

„Ich bin gerne im Mauerpark“, sagt Eva Lorenz. Die 43-Jährige wohnt in der Nachbarschaft. Sie kommt auch ab und zu abends in den Park, um sich mit Freunden zu treffen und ein Feierabendbier zu trinken. Doch ein Picknick am Wochenende hat sie lange nicht mehr gemacht. „Es war immer zu voll hier“, sagt sie. Nun sei es sehr angenehm und weitläufig.

An einem Eingang des Parks hängt an einem Metallhäuschen ein Plakat, auf dem in Zeiten der Corona-Pandemie auf die Einhaltung der Abstandsregeln hingewiesen wird. An diesem Sonntag verlaufen sich die Leute auf dem Areal. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass der sonst im Mauerpark stattfindende Flohmarkt vorübergehend auf die andere Straßenseite der Bernauer Straße ausweichen musste. Er soll am kommenden Wochenende wieder am alten Ort des Parkgeländes stattfinden.

Mira Krujovic schlendert mit ihrer Tochter durch den neuen Teil des Parks. Die wie Alleen angelegten Asphalt-Wege führen Mutter und Kind zu den beiden Schaukeln, die neu aufgestellt wurden. Die Spielgeräte sind besetzt. Doch die Tochter ist nicht sauer, sie lenkt die Schritte ihrer Mutter in Richtung des großen Spielplatzes, auf dem viele Kinder herumtollen.

Mira Krujovic ist mit ihrem Tochter bei schönem Wetter fast jeden Nachmittag im Park. Die Wochenenden hat sie bisher gemieden. „Es war einfach zu voll, und dann kam noch das Corona-Virus hinzu“, erklärt sie. Einen Abstand  habe man einfach nicht einhalten können. Jetzt ist alles anders. 

Der Mauerpark soll mit dem neuen Teil wieder zu einem Naherholungsgebiet werden. Ohne Party, ohne Müll, ohne Festivalstimmung jedes Wochenende und den mittlerweile schon dazugehörenden Polizeieinsätzen.

Ein älteres Ehepaar sitzt auf einer neuaufgestellten Bank im Schatten der Bäume. Es schaut einem Vater zu, der mit seinem Sohn auf dem Rasen vor ihnen Boule spielt. Das Ehepaar wohnt direkt in der angrenzenden Wolliner Straße. „Wir sind schon ewig nicht mehr hierher gekommen, weil es uns immer zu laut und zu voll war“, sagt der 69-jährige Mann. Doch jetzt sei es eigentlich ganz schön hier, erklärt er. Schön wäre es, wenn es so idyllisch bliebe.

Christian Tänzler, der Sprecher von Visit Berlin, begrüßt die Vergrößerung des Mauerparks. Sowohl bei Berlinern als auch bei Touristen sei die Grünfläche sehr beliebt. Gerade als Geschichtsort und in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte Bernauer Straße. Er wisse, dass es früher oftmals Beschwerden von Anwohner wegen der Lautstärke im Park gegeben habe. Deswegen sei die Erweiterung eine Chance, „das alles etwas zu entzerren“. „Es ist ein Angebot für Menschen, die Ruhe und Entspannung suchen“, so Tänzler.