Ein Hoch auf die Touristen in Berlin!

Es ist erst viertel nach zehn, ich bin etwas zu früh. Unentschlossen stehe ich vor dem Café. Soll ich mich setzen oder noch ein wenig schlendern? Ich war lange nicht auf der Oranienburger Straße. Andererseits sind jetzt noch fast alle Tische frei, ich könnte mir den Platz mit der freundlichsten Spätsommermorgensonne aussuchen.

Eine Gruppe Menschen nähert sich. Alle haben große Taschen oder Rucksäcke, ein Mann guckt in seinen Reiseführer, eine Frau studiert den Display ihres Smartphones. Sie deutet auf den Schriftzug über der Toreinfahrt neben dem Café Orange und weist daraufhin, dass hier die Heckmann-Höfe sind. Es klingt wie „Ekman Öfe“, und auch die anderen sind Franzosen.

Sie reden durcheinander und beschließen, die Ekman Öfe zu besichtigen. Durch den Hall der Einfahrt verstärkt höre ich kurze Zeit ihre verzückten Ausrufe und folge ihnen, neugierig, woher die Begeisterung rührt. Sie sind wirklich hübsch, die Höfe, idyllisch, ein wenig puppig, doch ein unerwarteter Kontrast zur straßenbahngerüttelten Gastronomie- und Baustellenmeile auf der anderen Seite des Tores. Ich kannte sie nicht.

Als ich wieder heraustrete und mich an einen der Tische setze, sind schon deutlich mehr Gäste da. Nicht nur wegen der Sprachen und Dialekte und dem Equipment erkenne ich in den meisten von ihnen ebenfalls Berlinbesucher. Sondern vor allem wegen dem kollektiven Hierhinschauen, Dorthindeuten und Einanderzeigen um mich herum.

Alle sind begeistert, freuen sich über das, was sie sehen, über den Kellner, der die Karte bringt oder die bestellten Speisen. Und sie haben Zeit. Zum Sich-Umschauen, Sich-Freuen, zum Essen und Trinken. Auch die französische Gruppe, dank derer ich die Heckmann-Höfe kennengelernt habe, hat sich mittlerweile eingefunden.

Die entspannte Atmosphäre ist ansteckend. Auch die Blicke auf die Schönheiten der Stadt. Ich finde plötzlich alles wunderbar und neu und fühle mich wie im Urlaub. In irgendwelchen angesagten „Szene“-Treffs oder wunder-wie-originellen Lokälchen passiert das nie. Man sollte viel öfter mit Touristen frühstücken.