Steven M. vor Gericht.
Foto: Olaf Wagner

BerlinSteven M. führte ein Leben in Saus und Braus. Er gab sich als Millionär aus oder als Immobilieninvestor, er fuhr mit dicken Limousinen durch Deutschland, an deren Steuer ein Chauffeur saß. Er bestellt im Internet Reisen und Tickets für Konzerte. Er hatte Interesse an einer 4,2 Millionen teuren Villa in Königswinter und zahlte dafür angeblich schon die 149.000 Euro Provision an den Makler. Doch in Wirklichkeit gab er für seinen Luxus keinen einzigen Cent aus.

Steven M. ist ein mutmaßlicher Hochstapler. Seit Freitag muss er sich vor dem Berliner Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihm mehr als 50 Betrugstaten vor, die er zwischen September 2018 und Ende Mai dieses Jahres begangen haben soll. Dabei soll ein Schaden von rund 72.000 Euro entstanden sein. Der 32-Jährige hat die Taten zum Prozessauftakt eingeräumt.

Der Angeklagte ist eigentlich gelernter Veranstaltungskaufmann. Er habe aber gleich nach der Ausbildung begonnen, sich mit Betrugstaten durchzuschlagen, sagt ein Polizist als Zeuge vor Gericht aus. Steven M. saß deswegen schon mehrfach im Gefängnis.

Laut Anklage buchte Steven M. in den meisten Fällen Reisen und Veranstaltungskarten online und gab dabei falsche Namen sowie die Kontodaten Dritter an. Mal nannte er zur Zahlung durch Lastschrifteinzug die Kontoverbindung der Kosteneinziehungsstelle der Justiz, mal die Kontodaten der BVG. Steven M. reiste auf Kosten anderer unter anderem nach Gran Canaria und in die Türkei. Auch wenn das Geld zurückgebucht worden war.

Doch damit nicht genug: Dreimal bestellte der Angeklagte für längere Zeit einen Chauffeurservice und Luxuslimousinen. Dafür blieb er den jeweiligen Firmen Zahlungen zwischen 4.900 und 12.000 Euro schuldig. Steven M. lässt über seine Anwältin erklären, es sei interessant gewesen, die Leute auszutricksen. Er habe dadurch Reisen gemacht, die er sich sonst von seinem Arbeitslosengeld nicht hätte leisten können. Er habe ein Hochstapler-Leben geführt und es „super gefunden, als Lebemann unterwegs sein zu können“.

Der Angeklagte erklärt, er habe für seinen Betrug frei zugängliche Daten genutzt und so auch Sicherheitslücken aufzeigen wollen. Es sei schon toll gewesen, wie er sich durch ganz Deutschland habe chauffieren lassen, um andere zu beeindrucken. Großkotzig, nennt er das im Prozess. Ihm sei es schleierhaft gewesen, wie so etwas habe funktionieren können.

Steven M. wurde offenbar einige Zeit gesucht. Als ihn die Polizei das erste Mal per Telefon kontaktierte, gab er sich als Monteur auf Lanzarote aus. Anfang Juni dieses Jahres wurde er verhaftet. Da lagen schon zahlreiche Anzeigen gegen ihn vor. Der Prozess wird fortgesetzt.