Der Wunsch ist alt, schlummerte in den vergangenen Jahren aber eher im Verborgenen. Jetzt tauchte er wieder auf: der Wunsch der Tochter nach einem eigenen Hund. Ein guter Freund nämlich hat seit knapp einem Jahr einen. Ihre beste Freundin hat im Herbst einen mit herrlich großen Ohren bekommen. Und auch die große, inzwischen ausgezogene Schwester hatte immer wieder davon angefangen. Doch alle Versuche scheiterten bislang am Veto der Eltern. Neulich wurde erneut ein massiver, gut vorbereiteter Angriff gestartet.

Nach dem Abendessen plötzlich intensive Geschäftigkeit auf dem Tablet am Esstisch. Vergessene Hausaufgaben? Klassenchats über die nächste Mathe-Klausur? „Ihr dürft nicht gucken“, sagt sie streng. Schließlich werden wir aufs Sofa gerufen. Und dann bekommen wir eine feine Powerpoint-Präsentation zum Thema Hund geboten. Welche Rassen infrage kommen. Wie groß, wie schwer die Tiere werden. Was sie kosten. Familien-, Kinder-, Sporttauglichkeit, positive Auswirkungen auf das soziale Klima, gut fürs Immunsystem, fürs Herz-Kreislauf-System.

Wir sind beeindruckt. Schick layoutete Folien, gut ausgewählte Fotos, strukturierte Angaben, verständlicher Vortrag. Mal ebenso, in einer halben Stunde, das Plädoyer mit acht Folien für einen Familienhund zusammengestellt. So schlecht scheint das mit der Digitalisierung in der Schule nicht zu laufen.

Nur: Wir sind immer noch nicht überzeugt. Zwei bis drei Stunden Bewegungsdrang täglich? Wie alt werden die Tiere? Die Treppe in der Wohnung? Nachmittags und abends würde sie auch immer mit dem Hund Gassi gehen, sagt sie. Und morgens? Da könntet doch ihr? Aha.

Nächstes Gegenargument: Du machst in zwei Jahren Abitur und vielleicht ziehst du dann aus? Und was ist dann mit dem Hund? Naja, den würde ich dann mitnehmen. Okay, das Argument zieht nicht.

Kinderbegeisterung stößt auf Elternskepsis. Wenigstens verkneife ich mir den Spruch, den meine Mutter zu sagen pflegte, wenn bei mir und meinen Geschwistern die Haustier-Frage aufkam: Jeden Tag ist oft.

Wir müssen ja zugeben, dass die Hunde, die sie uns zeigt, wirklich niedlich aussehen. Portugiesischer Wasserhund, Goldendoodle, Labradoodle. Googeln Sie mal, wirklich nett. „Und das sind alles allergenarme  Hunderassen“, erklärt uns unsere Tochter. Man hört ihrer Stimme an, dass sie das für eine Trumpf-Karte hält. Warum ist das nötig? Bei uns im Haus gibt es eine Pferdehaar-Allergie, Hunde sind kein Problem. „Naja, dann kannst du den Hund mit ins Büro nehmen.“ Das Projekt kommt erst mal auf Wiedervorlage.