Die Invalidenstraße in MItte. Künftig kann auf einem 600 Meter langen Abschnitt an den Straßenrändern nicht mehr geparkt werden.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinMit Tempo 104 schoss der Porsche Macan über die Invalidenstraße in Mitte. Auf dem Gehweg tötete der SUV, dessen Fahrer einen epileptischen Anfall erlitten hatte, vier Menschen. An diesem Sonntag liegt die fatale Kollision, bei der auch ein dreijähriges Kind starb, genau ein Jahr zurück. Jetzt hat die Verwaltung von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) angekündigt, dass die Umgestaltung eines rund 600 Meter langen Abschnitts der Invalidenstraße bevorsteht.

Auf dem Teilstück, das mit der Kreuzung Ackerstraße den damaligen Unglücksort umfasst, fallen Parkplätze weg. Stattdessen entstehen Radfahrstreifen – 2,35 Meter breit und mit kleinen Baken, Leitboys genannt, vor Autos geschützt. „Die Ausschreibung für diesen Auftrag läuft“, teilte Günthers Sprecher Jan Thomsen mit. Ende Oktober sollen die „Protected Bikelanes“ fertig sein. In der Straßenmitte müssen sich Kraftfahrzeuge und Straßenbahnen auf 6,50 Meter den verbleibenden Raum teilen.

Schon bald nach dem Tod der Fußgänger hatten Bürger Radfahrstreifen gefordert. Doch es hieß, dass die Straße noch zu vermessen sei. Zudem waren zur Finanzierung Abstimmungen zwischen Senat und Bezirk nötig. Dass dieses wichtige Teilprojekt erst jetzt beginnt, sei „keine gute Referenz“, sagt Anwohner Julian Kopmann, der sich mit anderen Bürgern dafür einsetzt, dass Unfallrisiken gesenkt werden. „Doch natürlich ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.“

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Bezirksamt Mitte von Berlin.

Erhoffte Folge ist, dass das Tempo des Autoverkehrs sinkt, so Kopmann. Weil dort künftig Baken stehen, sei es nicht mehr möglich, Straßenbahnen rechts zu überholen. Wenn am Rand keine parkenden Autos mehr die Sicht versperren, werde dies Fußgängern die Querung erleichtern.

In diesem Jahr starben bereits 40 Menschen im Straßenverkehr

Eine Projektgruppe, in der unter anderem Verwaltung und Polizei vertreten sind, hat sich in bislang fünf Sitzungen mit der Invalidenstraße befasst. 2019 wurde Tempo 30 angeordnet. Nun gibt es Planungen, 2021 an den Straßenbahnhaltestellen die Gehwege vorzustrecken. Außerdem wird überlegt, an Einfahrten Bürgersteige anzuheben. „Der Bezirk hat zugesichert, sich in seinen Gremien noch einmal um die Schulwegsicherheit zu kümmern“, so Thomsen. Verabredet wurde auch, mit externer Hilfe eine „Gesamtkonzeption für ein Modellgebiet für mehr Verkehrssicherheit“ zu versuchen. Bürger haben dies bereits gefordert – bekamen aber gesagt, dass dafür in den Behörden die Ressourcen fehlten.

Mit einer Mahnwache in der Invalidenstraße wollen Verbände an diesem Sonntag um zwölf Uhr an den Unfall erinnern. Sie fordern mehr Anstrengungen, die Sicherheit zu erhöhen. Seit Anfang Januar sind in Berlin bereits 40 Menschen im Straßenverkehr getötet worden. „Das sind so viele wie im gesamten vergangenen Jahr“, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities. So starben 15 Fußgänger und 14 Radfahrer. „Wir brauchen ein neues Bewusstsein.“

Weitere aktuelle Themen