BerlinDie Corona-Pandemie wirkt wie ein Brennglas – oft geäußert, diese Erkenntnis, weil offenbar wahr. Jedenfalls was die Berliner angeht, speziell die Anhänger der Pyrotechnik. Bei ihnen hat diese virale Lupe ein erstaunliches Maß an Vernunft sichtbar gemacht.

In der Silvesternacht haben sie im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger geböllert, geballert, gezündelt. Sie haben deutlich weniger Müll produziert, weniger Feinstaub, weniger Verstümmelungen. Sie sind ihren Mitmenschen deutlich weniger zur Last gefallen, ob diese nun in der Nachbarschaft wohnen, bei der Stadtreinigung schuften oder im Krankenhaus Sonderschichten schieben. Sie haben der Tierwelt in dieser Stadt etwas Gutes getan, auch das ganz nebenbei.

Es geht doch! Wenn es gehen muss, wobei es durchaus anders gegangen wäre. Rasch hat nach dem Feuerwerksverbot ein Schwarzmarkt eröffnet. Es kursierten Telefonnummern für die Bestellung und Kurierfahrer für die Verteilung der heißen Ware. Es fuhren Shuttlebusse zu den einschlägigen Märkten nach Polen, die allerdings nur schwach frequentiert wurden. Ebenso die illegalen Lager für Feuerwerk in Berlin, deren Existenz Zufallsfunde belegten.

Es gibt ein Leben ohne Silvesterfeuerwerk, zumindest ohne Guerillaballerei, Extremknallerei, Heckenschützengeschieße. Ein entspanntes Leben zum Jahreswechsel ist möglich, günstiger für die Allgemeinheit in vielerlei Hinsicht. Diese Erkenntnis setzt sich hoffentlich durch und hält durch bis zum nächsten Mal.

Fürs neue Jahr darf man sich ja etwas wünschen, also: Ein Silvester 2021 mit kontrolliertem Feuerwerk, vielleicht an ausgesuchten Orten in der Stadt. Möglichst ohne Müll, Feinstaub, Verstümmelungen. Und ganz ohne Corona.