Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, den Garten zu bestellen. Und auch ein wenig Cello zu spielen. So hatte es Albrecht Broemme eigentlich vor, wenn er in den Ruhestand geht. Doch daraus wird nichts – wieder einmal. Nachdem der 68-Jährige die Messehalle 26 in ein Corona-Notfallkrankenhaus umgerüstet und den Aufbau der Impfzentren in Berlin koordiniert hat, tritt der Fast-zwei-Meter-Mann erneut an. Diesmal soll er die Unterbringung ukrainischer Kriegsflüchtlinge in der Hauptstadt koordinieren. So hat es Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) am Mittwoch verkündet.

Berlins einstiger Feuerwehrchef ist in Krisenzeiten immer eine sichere Bank, ein Kapitän, der das Schiff sicher durch schweres Gewässer zu lavieren weiß. Der Mann, der stets mit der blauen Jacke des Technischen Hilfswerks unterwegs ist, ist bestens vernetzt – weltweit. Er wird als Fachmann gerufen – bei Erdbeben, Überflutungen, Großbränden. Er kennt die Krisengebiete dieser Welt: Irak, Syrien, Jemen, hat in etlichen Regionen Flüchtlingscamps mit aufgebaut.

Broemme stammt aus Darmstadt, hat Elektrotechnik studiert. 1977 kam er als Brandreferent zur Berliner Feuerwehr, 15 Jahre später übernahm er die größte deutsche Rettungsmannschaft. Er war damals der jüngste Chef einer deutschen Berufsfeuerwehr.

Bei Großeinsätzen – etwa 1998 bei der Gasexplosion in der Steglitzer Lepsiusstraße mit sieben Toten – war er stets vor Ort, war Ansprechpartner für seine Leute und für die Medien. So wurde er das Gesicht der Berliner Feuerwehr.

Das kennen die Berliner noch heute, obwohl Broemme 2006 Präsident des Technischen Hilfswerks in Bonn wurde und bis zu seiner Pensionierung blieb. Berlins einstiger Feuerwehrchef ist resistent gegen Hektik, doch seine scheinbare Behäbigkeit täuscht.

Schlagfertig ist er und besitzt einen trockenen Humor. Als ihn ein Journalist einst fragte, wann denn die Impfzentren in Betrieb gehen würden, antwortete er: „Um halb zehn.“ Eine ausführliche Antwort bleibt er indes nie schuldig. Seine Spitznamen „Erklärbär“ und „Albrecht der Bär“ hat er sich schon als Feuerwehrchef verdient.

Nun ist Broemme erneut gefragt. Warum er? „Man traut mir zu, dass ich das hinkriege, also mache ich es“, hatte Broemme mal gesagt, als es um die Impfzentren ging. Er hat es hinbekommen.