Die folgende Nachricht aus dem Alten- und Pflegeheim ProCurand in Strausberg ist kein garstiger Aprilscherz, sie klingt nur so. Am 1. April ging in dem Heim die Nachricht der Kassenärztlichen Vereinigung ein, dass die Hochbetagten am 8. April und 6. Mai nun doch nicht von einem Impfteam aufgesucht werden. Begründung: Es gebe keinen Impfarzt. Gleich darauf gab das Impfzentrum Schönefeld die Stornierung sämtlicher Impfdosen für die 49 Heimbewohner jenseits der 80 und der 90 Jahre bekannt.

Der Impftermin am 8. April war für Bewohner und Angehörigen die letzte Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Corona-Dramen in dem Heim. Das wird gerade zum zweiten Mal von Corona heimgesucht, derzeit wütet die Mutante. Mehrere Bewohner sind betroffen, auch Personal. Beim ersten Ausbruch gab es Tote.

Seit Mitte Februar schreibt die Berliner Zeitung über die skandalöse Versorgung der Brandenburger Heime mit Impfstoff. Während in Berlin seit Anfang Februar sämtliche Alten- und Pflegeheime durchgeimpft sind, gibt Brandenburg noch zwei Monate quasi eine Bankrotterklärung für diesen Bereich ab.

Das Land brachte es fertig, Impfteams in Heime zu schicken, die alle stationär Gepflegten impfte und alle anderen alten Heimbewohner ignorierte. Das ist charakterlos und fahrlässig. Als die Gesundheitsministerin noch für das Impfen zuständig war, verteidigte sie diese schäbige Verteilung. Auch im Strausberger Heim traf im März endlich ein Impfteam ein, versorgte die Bettlägerigen und ließ alle anderen Hochbetagten ungeimpft. Die warten heute noch – trotz Covid-Ausbruch im Heim, und obwohl im Durchschnitt drei von vier Corona-Toten über 80 sind.

In Berlin bekommen jetzt die über-60-Jährigen Impftermine und auch die Angehörigen pflegebedürftiger Eltern. Brandenburg sorgt nicht mal für die Pflegebedürftigen selbst, sagt einfach Termine ab. Das ist nichts anderes als ein Impfboykott von staatlicher Stelle. Man fragt sich, wer in Brandenburg eigentlich die Impfdosen erhalten hat, wenn sie bis heute den meist gefährdeten Menschen in Heimen verweigert werden.