Der Verein Kunstetage Pankow hat das alte Intrac-Gebäude zu einem Treffpunkt für Künstler und Kreative gemacht. Nun müssen die Mitglieder die Räume verlassen.
Foto: imago images/Gerhard Leber

Berlin-PankowIn Pankow gibt es jede Menge Gebäude mit Geschichte. Doch an einem ging ich in den letzten Jahren immer nur vorbei, nie hinein. Ein Fehler. Man muss sich meine Begegnung mit dem grauen Plattenbau an der Pankower Pestalozzistraße unterlegt mit Musik vorstellen. „Why must all good things come to an end?“, etwa. Oder „Es war ne geile Zeit“.

Für die Künstler des Vereins Kunstetagen Pankow (KEP), die hier in den letzten Jahren ihre Ateliers hatten, geht genau diese Zeit jetzt zu Ende. Bis zum Jahresende müssen sie aus ihren Atelierräumen im ehemaligen Intrac-Gebäude ausziehen. In dem Gebäudekomplex an der Pestalozzistraße 5 bis 8 hatte die Intrac, der einzige Global Player der DDR, seinen Sitz. Mit über 700 Mitarbeitern war die Handelsgesellschaft die wichtigste und größte Firma des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) unter Alexander Schalck-Golodkowski.

Bei Intrac handelte man am sozialistischen Plansoll vorbei mit Antiquitäten, Schmuck, Diamanten, Erdöl, Edel- und Buntmetallen. An der Pestalozzistraße sicherten Kameras und Klingeldraht erfolgreiche Geschäfte. Im Keller rostet noch heute ein verschlossener, großer grüner Tresor vor sich hin.

Veränderung nach der Wende

Nach der Wende zogen kleinere Gewerbe und Künstler in die Intrac-Büros. Über 80 Briefkästen im getäfelten Foyer erzählen noch von der bunten Mischung. Ingenieure, eine Musikschule, Architekten, Maler, Freischaffende, eine Theaterschule, Beratungsstellen fanden hier bezahlbare Räume und bildeten eine einzigartige Hausgemeinschaft.

Noch heute finden sich in den Büros und Ateliers Original-Einbauten. Wandschränke, schwere Konferenztische, in den VIP-Zimmern sorgten Klimaanlagen von Panasonic für gutes Klima. In den Etagenküchen stehen AEG-Herde, in einem Schrank warten seit 30 Jahren Cognacgläser mit Goldrand auf ein Prosit zum Vertragsabschluss. Christian Badel, einer der hier ansässigen Künstler hat einen ganzen Karton mit Modeschmuck made in GDR gefunden.

Mit der Kantine auf dem Gelände, die bereits dem Abriss zum Opfer gefallen ist, verschwand auch DDR-Kunst am Bau, Plastiken und Skulpturen. „Das Denkmalamt wollte oder konnte nicht rechtzeitig schauen, ob Schützenswertes vorhanden ist“, sagt Grafiker Christian Badel, der wenigstens fotografiert hat, was war. Denn wo früher Sozialisten richtig Kohle machten, soll auch heute wieder gut verdient werden. Anstelle der Ateliers sollen Eigentumswohnungen entstehen, heißt es.

Lange Zeit hatte es in den Verhandlungen mit dem Eigentümer Hoffnung gegeben, dass hier doch noch bezahlbarer Raum für Kunst geschaffen würde, doch diese erwies sich als trügerisch. Die Künstler werden jetzt in einen Plattenbau in der Prenzlauer Promenade ziehen. Hier haben sie Verträge für neun Monate bekommen. „Wenn nichts sicher ist, ist alles möglich“, steht auf dem Schild an einer Ateliertür. Er gilt leider auch für die Zukunft der Kunstschaffenden.