Berlin - In einem idyllischen Hinterhof an der Bleibtreustraße sitzt Sabine Süß inmitten von hohem Gras und will nichts weiter als eine Riesenwelle lostreten. Sie will, dass ein Ruck durch das Land geht, dass all den Beteuerungen, dass Kinder und Jugendliche wichtig sind, Taten folgen. Wer, wenn nicht wir? Und wann, wenn nicht jetzt, fragt sie.

Es sei allerhöchste Zeit für die Zivilgesellschaft, Kindern und Jugendlichen etwas zurückzugeben. Normalität, mindestens. Zusammensein, Auftauchen aus der Pandemie-Starre, Bewegung und Austausch. In echt und draußen, mit ihresgleichen. Dazu braucht es Gelegenheiten wie Sommercamps, Chorproben, Töpferkurse, die Wanderung auf dem Barfußpfad, das Straßenfest. Für all diese kleinen und großen außerschulischen Aktionen hat der gemeinnützige Verein Stiftungen für Bildung, in dessen Vorstand Sabine Süß arbeitet, die Initiative Freischwimmen 21 gestartet.

Freischwimmen 21 will den großen Schubs geben und sämtliche  Akteure, die sich im weitesten und besten Sinne mit Bildung befassen, ermuntern, jetzt tätig zu werden und Kindern und Jugendlichen, denen so viel abverlangt wurde, Angebote zu machen. Dazu wird es ab dem 25. Juni eine bundesweite Webseite mit einem Aktionenfinder geben, ein Fonds soll unbürokratisch und schnell Projekte von Einzelpersonen und kleinen Gruppen möglich machen, die ohne die Zuwendung sonst nicht stattfinden könnten.

Außerschulische Angebote für Kinder und Jugendliche 

„Bildung ist mehr als Schule“, sagt Sabine Süß, die seit mehr als 15 Jahren die unterschiedlichsten Akteure aus Stiftungen, Vereinen und Ehrenamt vernetzt. Die Idee für Freischwimmen 21 sei Anfang des Jahres entstanden, sagt sie. Denn schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, was mittlerweile jeder gelesen oder gehört hat: Die Pandemie hat soziale, physiologische und psychische Konsequenzen für Kinder und Jugendliche. Bulimie, Depressionen, Bewegungsmangel gehören unter anderem zu den negativen Auswirkungen von Lockdown und Homeschooling.

„Unser Anliegen ist es, Kindern wieder eine andere Lebensperspektive zu geben. Statt digitalem Lernen und schulbezogenem Lernen soll auch Raum für andere Lernerfahrungen ermöglicht werden“, sagt Sabine Süß. Theater, Sommerkurse, Ferienlager, Austoben im Sportverein– all das fand etliche Monate lang nur eingeschränkt statt. Zeit, etwas zu ändern.

Bildung braucht Ehrenamt 

Viele Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren und Kurse angeboten haben, seien derzeit verunsichert, sagt Sabine Süß. Was können wir wann wieder machen, fragten sie sich. „Wir müssen jetzt wieder auftauchen aus der Isolation vor den Bildschirmen“, sagt Süß. Schwierigkeiten entstünden in einer Gesellschaft immer dann, wenn es keine Verständigungsmöglichkeiten gibt. Dem kann das Netzwerk aus 500 zivilgesellschaftlichen Organisationen in ganz Deutschland etwas entgegensetzen.

„Wir wollen die Kolleginnen und Kollegen aus der ganze Breite der Gesellschaft unterstützen, schneller mit Aktivitäten und Angeboten zu starten“, sagt Süß. Die ersten Angebote sollen daher bereits in den Sommerferien starten.

83 Millionen Deutsche sind aufgefordert, mitzudenken und mitzutun: Wer eine Idee hat, kann sich ab dem 25. Juni auf der Webseite von Freischwimmen 21 in den Aktionenfinder eintragen lassen und dort auch Gelder aus einem Fonds beantragen, der die Aktion flankiert. „Wir wollen Mut machen und dazu ermuntern, Altbewährtes wieder anzufangen und Neues zu wagen“, sagt Sabine Süß.

Stiftungen können schon allein viel schaffen, doch zusammen sind sie unfassbar stark.

Sabine Süß, Initiatorin Freischwimmen 21 

Schnatternde Kinder auf Plätzen, Kinder, die im Freibad gemeinsam Schwimmen lernen, Gruppen beim Picknick im Wald – es soll überall sichtbar werden, dass Dinge wieder stattfinden. „Dabei sind zivilgesellschaftliche Akteure wichtige Bildungsakteure“, sagt Sabine Süß. „Sie sind essentiell für soziale, kulturelle Bildung, Umweltbildung und in vielen weiteren Bereichen.“

Bundesbildungsministerin ist Schirmherrin 

Der Fonds wird von Stiftungen und anderen befüllt und von der GLS Treuhand/Zukunftsstiftung Bildung betreut und verwaltet. Er enthält bereits eine sechsstellige Summe. Spender können auf der Freischwimmen-21-Webseite dafür sorgen, dass noch mehr Projekte finanziert werden können. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Durchführung des Projekts, Bildungsministerin Anja Karliczek ist Schirmherrin.

Und was, wenn im Herbst die vierte Welle kommt und alles wieder eingefroren muss? „Dann hatten wir wenigstens einen guten Sommer“, sagt Sabine Süß. Sie denke immer groß. Und es wäre doch was, wenn nun eine Welle an Bildungsaktionen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene übers Land schwappt. „Bildung ist schließlich die große gesellschaftliche Aufgabe“, sagt Sabine Süß.

Mehr Informationen zu Freischwimmen 21 auf der Website des Projekts