Berlin - Kriminelle dringen in die Höhle ihrer Jäger ein und bedienen sich an ihren Schätzen. Das ist dreist. Dabei war man bisher immer davon ausgegangen, dass das Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke bestens gesichert ist. Der Weg führt nur mit Dienstausweis, Termin oder Anmeldung an den Pförtnern und Sicherheitstüren vorbei. Dass Verbrecher freiwillig da rein gehen, war bis Montagmorgen unwahrscheinlich. Zum Dienstbeginn um 9 Uhr entdeckte der Museumsleiter in den Räumen der polizeihistorischen Sammlung den ersten Coup im Berliner Polizeipräsidium.

Mehrere Glasvitrinen und Schaukästen waren aufgebrochen. Antiquitäten wie Ordensschnallen, Dienstmarken, Auszeichnungen und Tschakos, also militärische Kopfbedeckungen aus der Weimarer Republik, fehlten. Die Täter hatten zudem das Bundesverdienstkreuz von Dr. Johannes Stumm mitgenommen. Der langjährige Berliner Polizeipräsident hatte unter den Nationalsozialisten die Polizei verlassen müssen und leitete die Westberliner Behörde nach dem Zweiten Weltkrieg von 1948 bis 1962.

„Die Täter haben viel Zeit und Aufwand investiert“

„Das ist schon echt frech. Die Beute ist kein kunsthistorischer Schatz, sondern hat eher einen ideellen und symbolischen Wert“, sagt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Deswegen glauben einige Ermittler, dass die Täter der Polizei einen Denkzettel verpassen wollten. Andere spekulieren, dass es eine Mutprobe war. Sicher ist nur, die Täter waren sehr gut vorbereitet und hatten ihr Ziel detailliert ausgekundschaftet.

Sie nutzten die Bauplane aus, die an der Fassade eines Seitenflügels hängt, um dahinter in aller Ruhe Gitterstäbe durchzusägen. Durch die Öffnung im Fenster gelangten sie direkt in die polizeihistorische Sammlung. Die Stelle ist etwa 80 Meter vom Haupteingang entfernt. Die Polizei geht davon aus, dass der Einbruch zwischen Freitagabend und Montagmorgen passierte. „Die Täter haben viel Zeit und Aufwand investiert“, sagt Wenzel. Zur ihrer Motivation wollte er sich nicht äußern.

Ein peinlicher Vorfall

Das Twitter-Team der Berliner Polizei nahm es mit Humor: „Wir sind uns darüber bewusst, dass der Vorfall sehr kritisch zu bewerten ist, daher werden wir bei unserem Einbruchsberatungsladen (Luftlinie ca. 80m) mal einen Termin beantragen.“ Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin, findet den Einbruch gar nicht lustig. „Wir hatten Glück, dass dort nur eingebrochen und nichts zurückgelassen wurde, was einen noch größeren Schaden hinterlassen hätte“, erklärt Jendro.

Jendro hat – wie der Berliner SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber – mit der Sicherung bedeutender Berliner Liegenschaften ernsthafte Problem. „Der Einbruch war ein peinlicher Vorfall. Da zeigt sich die Achillesferse des Staates“, so der Abgeordnete. Der Abgeordnete und Jendro kritisieren, dass in vielen Gebäuden von Polizei, Justiz und Innenverwaltung private Wachschützer eingesetzt werden. Schreiber: „Uniformierte Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes wären viel sinnvoller.“