Berlin - Man kann es zwanghaft nennen. Ich muss alles vollschreiben. Kein Papier ist sicher vor dem Stift. Zeitungen. Bahntickets. Obsttüten. Servietten. Prospekte. Flyer. Bierdeckel. Seitenränder in Büchern. Quittungen. Briefumschläge. Eintrittskarten. Und diese dünnen weißen Rosetten um die Hälse von Pilsgläsern. Ist Rosette das richtige Wort? Man kann kaum schreiben auf ihnen, weil sie so glatt sind. Die Wörter hampeln herum, Buchstaben schlittern. Man braucht eine ruhige Hand. Die Servietten in einfachen Eis-Cafés sind auch so.

Weil sie über reichlich Zwischenräume verfügt, hat auch Reklame eine Daseinsberechtigung. Doch nur diese eine: Man kann sie beschreiben. Freilich ist es zwischen dem Feuer der Versprechen und knallenden Preisen gar nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Sie sind ebenso flüchtige Wesen wie kluge Gedanken. Sie warten nicht. Wollen behutsam festgehalten werden. Die kreischende Welt der Werbung und die dunkle der nie nachlassenden Gier passt überhaupt nicht dazu, denn man muss sich dabei sehr konzentrieren. Geduckt sehen die Wörter aus unter Riesenzahlen und Mega-Angeboten, dabei liegen die wahren Angebote des Lebens, seine ganze Herrlichkeit, da draußen auf der Straße.

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