Berlin - Wenn an der jährlichen Echo-Verleihung, deren jüngste Ausgabe am Donnerstagabend in der Messe Berlin zelebriert wurde, wirklich das Beste die Party danach ist, dann hat Adel Tawil definitiv was falsch gemacht. Der Sänger, der nach dem Ende von Ich+Ich auf Solopfaden wandelt, konnte seine Auszeichnung in der Kategorie „Newcomer National“ (die ihm nach so viele Jahren in der Branche selbst auch ein wenig komisch vorkam) gar nicht richtig genießen.

Er sang noch schnell seinen Song „Weinen“ vom aktuellen Album „Lieder“, dann sauste er auch schon Richtung Flughafen Tegel, wo ein Privatjet auf ihn wartete. Adel Tawil wurde Opfer einer Umplanung, denn den ursprünglich für den Echo vorgesehenen Termin hatte er sich natürlich frei gehalten: „Als der dann verschoben wurde, kollidierte er heftig mit meinem heutigen Konzert in Hannover.“ Was ihn an der ganzen Sache besonders störte: „So was mir, wo ich doch solche Flugangst habe!“

Sein Freund Max Raabe, aus dessen Händen er den Echo entgegennahm, musste an diesem Abend nicht mehr abheben. Obwohl er schon auf dem Teppich ein wenig schwebte: „Ich darf Shakira ansagen.“ Raabe nutzte die Gelegenheit für einen auf Shakira gemünzten Satz, der aus seinem Mund extra schräg klang, wo er doch sonst immer so elegant plaudert: „Der selten verwendete Begriff rattenscharfe Popnudel ist bei ihr durchaus angebracht.“

25 Songs in 250 Sekunden sind Rekord

Von Entertainerin Ina Müller erwartet man so etwas viel eher. Und sie enttäuschte auch nicht. Der Echo in der Kategorie „Künstlerin Rock/Pop national“ animierte sie zu einem Dank an ihre Plattenbosse ausdrücklich dafür, „dass ihr mir nie auf den Sack gegangen seid und dass ich nie mit euch schlafen musste!“ Der Echo 2014 für soziales Engagement ging an die Peter-Maffay-Stiftung, die Schutzräume für traumatisierte Kinder und Jugendliche schafft.

Zum Showprogramm des Abends gehörten Kylie Minogue, Jan Delay und Die Fantastischen Vier (mit einem Rekord: 25 Songs in 250 Sekunden) sowie Sänger James Blunt, der am lila Echo-Teppich glaubhaft behauptete: „Es geht mir nur um den Spaß, nicht um Trophäen!“

Robbie Williams, der mal wieder nicht nach Berlin gekommen war, ließ sich den Echo nach Los Angeles bringen und bedankte sich: „Deutschland, möchtest du mich heiraten? Ich liebe dich!“ Haben wir das richtig verstanden. Du willst uns heiraten, magst aber nicht kommen? Wir haben aber keine Lust auf eine Fernbeziehung. Dann heirate doch lieber ein weniger wählerisches Land!

"Yello sind Innovatoren des Pop"

Wie 2013 war auch diesmal die Band Frei.Wild, der manche eine Nähe zur rechten Szene unterstellen, nicht dabei. Allerdings aus anderen Gründen: Im Vorjahr war sie nach Protesten und Boykottdrohungen anderer Bands vom Echo ausgeschlossen, diesmal hatte ihr ein eigens eingerichteter Echo-Ethikbeirat nach Begutachtung des aktuellen Albums einen Persilschein ausgestellt. Die Band sagte dann, nachdem ihr eine Diskussion über den Ausschluss 2013 verweigert worden war, von sich aus ab.

So richtig rund wird eine Preisgala immer erst durch den Moment, in dem die Gäste aufstehen und hemmungslos die Gewinner der Trophäe für das Lebenswerk anhimmeln dürfen. In diesem Jahr fiel die Wahl der Veranstalter in dieser Kategorie auf das Schweizer Duo Yello, das mit Titeln wie „The Race“ und „Oh Yeah“ Pionierarbeit auf dem Gebiet der Kombination von Musik und Videokunst leistete.

Man könnte sagen: Echo is coming home – schließlich gehört so ein Echo in die Alpen! Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, lobt das Duo: „Yello gehören seit vier Jahrzehnten zu den großen Innovatoren des Pop.“ Alle Preise unter www.echo.de