Berlin -  Sonnenblumen und ein blauer Schmetterling, eine spitze Tüte, aus der Tulpen ihre roten Köpfe hervorrecken: Die Bilder und Collagen, die bei der Aktion „Pinselpost“ des VdK entstehen, sind farbenfroh, kreativ und verströmen gute Laune. Auch ein oranges Papier-Herz ist dabei, das von Hand zu Hand gereicht wird. In der Herz-Mitte steht: „Ich hoffe Ihnen mit diesem Bild eine Freude zu machen.“

Es sind Bilder, die von Ehrenamtlichen gemalt und gebastelt wurden – und an Bewohner von Berliner Pflegeeinrichtungen geschickt werden. „Wir wollen ihnen damit eine kleine Freude machen“, sagt Dörte Gastmann, Sprecherin des Sozialverbands VdK Berlin-Brandenburg. Die Aktion habe man bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr gestartet, „um den Menschen Zuversicht zu geben und Freude in ihren Alltag zu bringen“. Jetzt gibt es die „Pinselpost“ wieder.

„Mitmachen kann jeder“, erklärt Dörte Gastmann, „man muss nicht Mitglied bei uns sein.“ Der Ablauf sei denkbar simpel: „Die gemalten oder gebastelten Werke schickt man einfach an ein Pflegeheim.“ Welche Einrichtungen an der Aktion teilnehmen, erfährt man auf der Homepage des VdK (www.vdk.de/berlin-brandenburg), wo auch die jeweiligen Postanschriften vermerkt sind. Dort kann man eine der zehn teilnehmenden Einrichtungen in Berlin oder eines der vier Brandenburger Häuser auswählen.

Auch ganze Familien können sich engagieren

Die Pflegeeinrichtungen freuen sich über das Engagement. „Eine schöne Aktion, die sich sehr unkompliziert und unbürokratisch für die Beteiligten umsetzen lässt“, sagt Christian Büchner, Referent der FSE Pflegeeinrichtungen gGmbH, von der mehrere Einrichtungen an der Aktion teilnehmen. „Für alle vor Ort ist es schön zu wissen, dass jemand an sie denkt“, sagt Büchner. „Und schon die Kleinsten lernen, wie wichtig die Arbeit in den Pflegeeinrichtungen ist.“

Damit meint er die Beteiligung von Kindern an der Aktion. Auch Gastmann hebt diese Möglichkeit des Engagements hervor: „Im Lockdown malen und basteln ohnehin viele Eltern mit ihren Kindern. Warum dann nicht gleich die kleinen Kunstwerke an eine Einrichtung schicken?“ Die „Pinselpost“ sei eine niedrigschwellige Aktion, die von „Herz zu Herz geht“ und während des Lockdowns hervorragend funktioniere. 

Auch das Projekt „Schreib mal wieder ...“ der youngcaritas Berlin will helfen, die Einsamkeit in Pflegeeinrichtungen zu lindern. Wie bei der „Pinselpost“ des VdK geht es in dieser Aktion darum, Heimbewohner durch Post aufzuheitern – und auch sie wurde während des ersten Lockdowns ins Leben gerufen. 

Der Ablauf unterscheidet sich ein wenig. „Am Anfang nehmen die Ehrenamtlichen, die eine Postkarte oder einen Brief schreiben möchten, mit uns Kontakt auf“, erklärt Koordinatorin Damaris Wagener, „und wir fragen zunächst die Einrichtungen, wer aktuell Bedarf hat. Dann geben wir den Ehrenamtlichen eine Adresse und eventuell vermitteln wir auch konkretere Wünsche.“ Kontaktdaten findet man unter: www.youngcaritas.de/schreib-mal-wieder.

Zusendungen auch im Januar und Februar erwünscht

Manchmal wünschen sich die Heimbewohner ein Landschaftsbild, manchmal ein Gedicht, manchmal einen Brief. „Wer nicht weiß, was er schreiben soll, stellt sich am besten zuerst selbst vor und erzählt dann ein bisschen was aus seinem Leben, von seinen Wünschen und Sorgen. Das schafft Nähe“, sagt Wagener. Insgesamt haben sich seit Ende März mehr als 400 Personen bei Damaris Wagener gemeldet. „Wie viele Zusendungen bei den Heimen genau angekommen sind, können wir aber nicht sagen – aber sicherlich mehr als 400.“ Schließlich hätten, berichtet sie, auch Lehrer Interesse an der Aktion bekundet – und dann mit der gesamten Klasse Briefe und Karten geschrieben.

Sie selbst habe seitens der Heime nur positives Feedback erhalten. So schrieb ihr eine Heimleitung: „Die Bewohner waren sehr gerührt und haben sich wirklich über die einfallsreiche Idee gefreut. Mit den Karten und Briefen habt ihr etwas Licht und Freude in die Gesichter unserer Bewohner gezaubert. In dieser Zeit, wo Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit Einzug gehalten haben.“

Umso mehr wünscht sich Wagener, dass das Interesse an der Aktion nach den Feiertagen und Neujahr nicht abebbt. „Gerade in den dunklen und kalten Wintermonaten Januar und Februar ist es wichtig, dass wir den Bewohnern unsere Unterstützung zeigen.“