Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz.
Foto: Paulus Ponizak/Berliner Zeitung

BerlinDie Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –über das, was die Stadt, das Land und die Welt bewegt. Kurz und klar, ein paar Minuten nur, solange man eben zusammensteht für eine Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche: Ordnung und Sauberkeit.

Herr Gysi, wir haben vergangene Woche ein Foto veröffentlicht, das einen abgelassenen Teich im Volkspark Friedrichshain zeigt. Eine Müllkippe. In Sachen Sauberkeit stinkt doch was zum Himmel in Berlin, oder?

Dass es in einer Metropole wie Berlin nicht überall wie in einem schwäbischen Örtchen aussehen kann, ist sicher verständlich. Aber Dreckecken wie dieser Teich im Friedrichshain müssen wirklich nicht sein. Nicht selten wird dann auf den Senat verwiesen, der angeblich seine Hausaufgaben nicht mache. Aber der Senat und die Behörden haben den Müll nicht in den Teich geworfen. Was es braucht, ist ein Stück mehr Verantwortung jeder und jedes Einzelnen in unserer Stadt, den eigenen Dreck wegzuräumen. Die Berliner Stadtreinigung muss allerdings wohl auch ausgebaut und aktiver werden.

Ausgerechnet die Preußen scheinen die Ordnung den Süddeutschen zu überlassen. Dort sieht es zumindest anders aus in den Städten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Keine Stadt in Süddeutschland hat die Größe und den Charakter Berlins. Man ist hier viel weniger „unter Beobachtung“ und das verführt offenbar dazu, den Haufen des eigenen Hundes liegenzulassen oder den Kaffeebecher nicht in den Papierkorb, sondern mitunter direkt daneben hinzuwerfen. Wie gesagt, ein bisschen Unordnung, das Unfertige ist durchaus ein Teil des Berliner Charmes, der ja auch viele Menschen aus Süddeutschland anzieht. Aber das darf nicht als Freibrief verstanden werden, Dinge verwahrlosen zu lassen.

Ist die äußere Verwahrlosung Ausdruck einer inneren Haltung?

Zumindest von einer zu großen Gedankenlosigkeit und ja, auch von Egoismus mit der Haltung „Hier bin ich Mensch, hier schmeiß ich weg“. Dass man dafür jetzt mehr Strafe zahlen soll als bisher, könnte eventuell helfen, diese Haltung zu verändern. Die Gedankenlosigkeit muss abgebaut werden. Manchmal reicht schon ein netter Hinweis, wo ein Papierkorb steht.

War der Osten denn sauberer als der Westen?

Auf jeden Fall gab es viel weniger Verpackungen, die man hätte wegwerfen können, und ein gut funktionierendes Recyclingsystem mit guter Zweitverwertung. Andererseits haben die Kohleheizungen und -kraftwerke genug Dreck gemacht, weil die Alternativen auch zu teuer erschienen.

Wie wichtig sind Ihnen persönlich Ordnung und Sauberkeit?

Es gibt ja den Spruch, dass nur das Genie das Chaos beherrsche. Da ich nicht wirklich ein genialer Wiederfinder von Dingen bin, die ich irgendwo hingelegt habe, versuche ich das Chaos so klein wie möglich zu halten. Und in einem sauberen Zuhause wohnt es sich einfach angenehmer. Allerdings habe ich nicht den Anspruch, dass man jederzeit vom Fußboden essen können muss. In einem Garten zum Beispiel muss es auch solche Ecken geben, wo Igel oder Vögel Schutz finden.

Wer sorgt bei Ihnen zu Hause dafür?

Na, eine Hilfe und ich. Für die Hilfe bin ich sehr dankbar, weil ich es allein nicht schaffte.