Seit Beginn des Jahres in den Schlagzeilen: die Staatliche Ballettschule Berlin.
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BerlinSeit Januar diesen Jahres befindet sich die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik Berlin in den Schlagzeilen. Die Vorwürfe: Es geht um Kindeswohlgefährdung durch körperliche und seelische Gewalt und Vernachlässigung der Fürsorgepflicht für die anvertrauten Minderjährigen und jungen Erwachsenen, kurz, um eine „Kultur der Angst“, die an der international bekannten Schule herrsche.

Zunächst waren die Vorwürfe nur anonym geäußert worden. Sie reichten für die Senatsschulverwaltung aber offenbar aus, um im Februar sowohl Ralf Stabel, den Leiter der Ballettschule, als auch Gregor Seyffert, den Künstlerischen Leiter, von ihren Tätigkeiten freizustellen. Weitere Untersuchungen ergaben dann konkretere Vorwürfe, die schließlich zu mehreren Kündigungen führten. Dagegen wehren sich die beiden Professoren beim Berliner Landesarbeitsgericht.

Am Mittwoch fiel dort bereits die erste Entscheidung bezüglich einer Klage von Ralf Stabel. Die Begründung des Richters klang kurios: Stabels Kündigung sei zwar unwirksam, weil die ihm zur Last gelegten Vorwürfe zu wenig konkret seien. Dennoch dürfe er nicht mehr als Leiter der Ballettschule eingesetzt werden, weil dem promovierten Tanzhistoriker die pädagogische Eignung fehlt.

Für die Klage gegen die im Juni erfolgte zweite und dritte Kündigung von Ralf Stabel setzte Richterin Christine Schulze-Doll nun am Freitag einen ersten Gütetermin an. Kläger Stabel ließ sich von seinem Anwalt Jens Brückner vertreten. Für die Senatsschulverwaltung erschienen der Justiziar Alexander Schubart und der Anwalt Roland Gastell.

Die neuen Kündigungen von Ralf Stabel stützen sich mittlerweile auf ganz konkrete Vorwürfe. Ihm wird vorgeworfen, er habe zwei Schülerinnen Schulabschlüsse erteilt, obwohl diese keine schriftlichen Prüfungen absolviert hätten. Für die Vergabe des Titels „Staatlich geprüfte Bühnentänzerin“ habe es dem Schulleiter gereicht, dass beide Schülerinnen für eine gewisse Zeit ein Engagement bekleidet hätten.

Des Weiteren habe sich Ralf Stabel Dienstreisen von der stellvertretenden Leiterin der Ballettschule genehmigen lassen, obwohl er hätte wissen müssen, dass dafür nur die Schulaufsicht zuständig ist.

Für Stabels Anwalt Brückner ist die Strategie der Senatsschulverwaltung klar. Indem eine Kündigung nach der anderen ausgesprochen werde, erreiche man die Zermürbung seines Mandanten. Er sagte: „Man kann durch 10, 15, 20 Kündigungen versuchen, jemanden finanziell zu ruinieren.“

Justiziar Schubert widersprach dieser Annahme. Es gebe vielmehr ständig neue Gespräche mit Eltern und Schülern, in denen immer wieder neue Details bekannt würden, die dann innerhalb von zwei Wochen zur Begründung einer außerordentlichen Kündigung verwandt werden müssen. Nur wegen dieser engen Frist spreche die Senatsschulverwaltung mehrere Kündigungen aus.

„Es sind keine schönen Sachen, über die wir sprechen. Das wird Ihrem Mandanten nicht gut tun“, gab der Justiziar weiterhin zu bedenken. „Wir haben zu befürchten, dass sehr intime Details von Schülern und Schülerinnen ans Licht kommen“, sekundierte Anwalt Gastell und verwies auf ein Chatprotokoll zwischen dem Künstlerischen Leiter Gregor Seyffert und einer ehemaligen Schülerin. „Wir würden uns jedenfalls für einen vernünftigen Vergleich nicht verschließen.“

Auch Stabels Anwalt gibt sich in dieser Hinsicht offen. Sein Mandant wünsche sich, seine Professur zu behalten und seine Unterrichtstätigkeit an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ wieder aufzunehmen: Dort habe er bis Juni die Ballettschüler unterrichtet, die im Rahmen eines Bachelorstudiengangs auch im Bereich Schauspiel ausgebildet werden wollen.

Stabels Anwalt will sich vergleichen. Er will aber keinen Güterichter-Termin für eine nichtöffentliche Mediation über den Kündigungsstreit vereinbaren. Sollten sich die Parteien nicht einigen können, will Richterin Schulze-Doll ihre Entscheidung am 8. Januar verkünden.