BerlinAus Gründen der Nachhaltigkeit kaufte ich mir für ein Heidengeld sechs weiße Stoffmasken, waschbar bei 60 Grad. Kennen Sie das Gefühl, wenn man Unterwäsche trägt, die nicht richtig passt? Ständig rutscht irgendwas, kneift oder hängt, man versucht, neu zu arrangieren, macht komische Bewegungen, zieht und zerrt. Alles nützt nichts. Genau so geht es mir mit den Stoffmasken.

Im Supermarkt meines Vertrauens musste ich mich wie ein Maulwurf durch die Gänge bewegen, meine Brille war so beschlagen, dass ich sie abnehmen musste. Schuld war die doofe Stoffmaske, die sich nicht fest genug an den Nasenrücken anpasste, sodass die Atemluft die Brille beschlagen ließ wie die Autoscheiben in Filmen, wenn ein Pärchen dem zwischenmenschlichen Kontakt frönt. An meiner beschlagenen Brille war indes nichts sexy, die Maske rutschte und knäulte sich in den falschen Regionen meines Gesichts, während die Maskengummis so fest hinter meinem Kopf schnürten, dass meine Ohren nach vorne gedrückt wurden. Zum Glück bin ich kein Single mehr, denn so würde ich sicherlich niemanden finden, dachte ich, während vor mir eine andere Blindschleiche an die halbgeöffnete Glastür des Kühlregals stieß und ich mit meinem Einkaufskorb eine Weinflaschenpyramide touchierte, die bedenklich wackelte.

Auf der Straße nahm ich die Maske erleichtert ab und beobachtete vor mir eine Dame, die sich ebenfalls schnaufend ihres Mund-Nasen-Schutzes entledigte und diesen nun wie ein Schwesternhäubchen in ihre Haare geschoben trug. Ihr kam ein Mann entgegen, der gleich zwei Masken trug. Eine hatte er ordnungsgemäß über Mund und Nase gezogen. Die andere, eine blaue Einwegmaske, trug er über den Augen. Er hatte zwei Löcher in die Maske geschnitten und darauf dann die Brille geschoben. Ich brauche mir um meinen Anblick eigentlich gar keine Sorgen mehr zu machen: Die Masken sind richtig und wichtig. Schöner machen sie keinen von uns.