Berlin -  Diese Leute sind im Recht, aber trotzdem ist es gemein. So lässt sich die Sache zusammenfassen. Es geht um eine Art der neumodischen Abzocke auf Parkplätzen.

Gerade hat es einen Freund erwischt. Er wollte den Balkon seiner Wohnung aufhübschen, ihn von einer wenig genutzten Abstellfläche in ein sommertaugliches Balkonien verwandeln. Er fuhr zum nächsten Baumarkt und kaufte ordentlich ein – für 190 Euro.

Danach trat er beglückt auf den Parkplatz des Marktes und lud den Kofferraum voll. Dann sah er an der Scheibe einen Strafzettel. Er hatte die blaue Parkscheibe vergessen – „Vertragsstrafe“: 25 Euro. Besser gesagt: 24,90.

Auf dem Parkplatz stehen ganz viele Hinweisschilder, die Firma hat also alles richtig gemacht. Dort gibt es Leute, die schleichen über den Parkplatz. Und kaum hat jemand seine Pflicht vergessen, wird sofort ein Knöllchen verteilt.

Auf dem Schild mit den Geschäftsbedingungen steht, dass die Firma die Parkplätze quasi nur bereitstellt, dass die Kunden aber keine sonstigen Gegenleistungen erwarten können. „Gegenstand dieses Vertrages ist nicht die Bewachung und/oder Verwahrung der abgestellten Fahrzeuge.“

Dem Freund war klar, dass er einen Fehler gemacht hat, er ärgerte sich und fluchte, weil die Strafe so hoch war. Gegen den Frust rieten wir ihm, einen Beschwerdebrief zu schreiben. Fluchen ist das eine. Es kanalisiert zwar den Frust und macht ihn ein wenig kleiner. Doch der Gegner bekommt nichts davon mit, vielleicht aber reagiert er auf Briefe.

Das ist zwar irgendwie grunddeutsch, so wie höfliches Fluchen. Wie 1984, als der spätere Außenminister Joschka Fischer mal den Debattenleiter im Bundestag ganz höflich beleidigt hat mit dem Ausruf: „Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!“

Der Freund schrieb also, dass die Höhe der Strafe unverhältnismäßig sei, dass andere einfach eine Schranke aufstellen, um Fremdparker fernzuhalten. „Ich bin der Meinung, dass dies eine angemessenere und vor allem kundenfreundlichere Variante wäre. Bis dahin werde ich jedenfalls nicht mehr bei Ihnen einkaufen!“

Vielleicht wird das Ganze ja eine Bewegung. Nicht gleich eine Bürgerbewegung, aber eine Kundenbewegung: Alle parkfrustrierten Frauen und Männer meiden solche Läden. Vielleicht gibt es bald auch eine App fürs Handy, die anzeigt, wo eingekauft werden kann, ohne abgezockt zu werden.

Der Baumarkt hat am Mittwoch reagiert. Der Freund solle den Kassenzettel vorlegen, dann bekomme er „einmalig“ das Geld zurück. Den Kassenzettel hat er nicht mehr. Trotzdem will er es versuchen. Und er plant einen Zwischenboden im Flur. Das Material wird nicht billig. Die Pläne sind noch recht ungenau. Aber wenn er das Geld nicht zurückbekommt, weiß er ganz genau, wo er nicht einkauft.