Die Senatskampagne: doof und daneben.
Foto: Berliner Senat

BerlinEine ältere Dame mit bunt bedruckter Maske zeigt dem Betrachter den Mittelfinger. Das Foto ist das neue Motiv der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und der Tourismus-Marketinggesellschaft Visit Berlin. Neben dem Gesicht der Frau steht der Slogan: „Wir halten die Corona-Regeln ein.“ Aufmerksamkeit wolle man damit erregen, so Christian Tänzler, Sprecher von Visit Berlin zum Beginn der Woche.

Das ist sicherlich gelungen, die neue Kampagne, die bewirken soll, dass die Berliner zum Mund-und-Nasen-Schutz greifen, sorgt für einiges Befremden. In den sozialen Netzwerken stieß sie jedenfalls auf wenig Verständnis. Gallig wurde angemerkt, dass diese Kampagne jetzt wohl die Wende im Hinblick auf neue Infektionen bringen würde. Ironie war indes noch die sanfteste Form der Kritik: Von „Gossensprache“ war die Rede und von der Diskriminierung all jener, die aus Gesundheitsgründen keine Maske tragen dürfen. Und man fragt sich, was sich die Initiatoren, also Senat und Visit Berlin, bei dieser nassforsch-dümmlichen Art der Publikumsbeschimpfung gedacht haben. Soll das witzig sein? Oder irgendwie frisch und jugendlich? Yolo Pandemie?

Ist es alles nicht, die Kampagne ist einfach komplett misslungen und zeigt zwei Dinge sehr deutlich: Zum einen glauben die Macher, dass diese Art der Schnoddrigkeit besonders „Berlin“ sei und imitieren auf unangenehm plumpe Art die Jugend, deren vermeintliche Respektlosigkeit sonst immer kritisiert wird. Und zum anderen treibt diese Form der Volksbelehrung den Keil weiter in die Stadtgesellschaft, die sich aufteilt in Maskengegner und Maskenbefürworter und so ganz sicher nicht zusammenkommen wird. Weitere Motive sollen folgen, so Tänzler. Die Mittelfinger-Kampagne indes wurde am Mittwoch nach vielen Protesten gestoppt.