Boulevard der zerbrochenen Träume. „Sie ist dick, und sie hebt nicht ab“ – ganz wie der neue Flughafen. Mit diesem Vergleich stellte Cooky Ziesche, Leiterin der Filmredaktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg, die Hauptfigur des Films „Schönefeld Boulevard“ vor. Die 18-jährige Cindy fristet ihre Teenagerjahre in Schönefeld. Ihre Hoffnungen stehen still. Wie die Arbeiten am BER, der oft zu sehen ist. „Schönefeld ist ein schräger Ort“, sagte Sylke Enders 2013 bei der Präsentation des Filmprojekts. Die Regisseurin, die in Kleinmachnow aufwuchs, kennt das Dorf aus DDR-Zeiten. Als sie mal wieder vorbeikam, begann die Idee zu „Schönefeld Boulevard“ zu reifen.

Wieder mal ein schrecklicher Tag am BER: Cindy und ihr vermeintlicher Freund am Flughafenzaun.
Foto: Farbfilm Verleih

„Die Brachen, der Mauerstreifen mit den Townhouses davor und dahinter die kalte Pracht des BER, das ist fantastisch. So ein grandioses Set gibt es nirgendwo sonst“, schwärmte Kameramann Benedict Neuenfels. Wenn er den weiten Willy-Brandt-Platz vor dem BER sehe, fühle er sich an Filme des italienischen Neorealismus erinnert. Tatsächlich endet „Schönefeld Boulevard“, der 2014 in die Kinos kam, nicht im Unglück. Cindy, dargestellt von Julia Jendroßek, lässt ihr Vorort-Dasein hinter sich. BER stehe nicht nur für Scheitern, sondern auch für Aufbruch, sagte Sylke Enders. Auch das Flughafenprojekt wird seine Agonie überwinden, hoffte Cooky Ziesche. „Irgendwann wird der BER funktionieren. Dann wird sich niemand mehr an diese Zeit erinnern.“

Der BER in der Musik. Als am BER noch gebaut, gebastelt und ausgebessert wurde, war der Flughafen in „Airossini“ in der Oper schon in Betrieb. Was aber nicht hieß, dass alles funktionierte. Ganz im Gegenteil. Die Operá Oligarchique feierte 2014 in der Neuköllner Oper Premiere. Wie in Gioachino Rossinis „Die Reise nach Reims“ sitzt eine Gruppe von VIPs fest. In dem Stück aus Neukölln sind es aber keine Kutschen, sondern Flugzeuge, mit denen die Mächtigen verreisen. Doch am BER geht vieles durcheinander: Aufzugtüren klemmen, unsinnige Durchsagen verwirren, und auch mit den Brandmeldern scheint etwas nicht zu stimmen. Kharálampos Goyós sorgte für Arrangement, musikalische Einstudierung und Leitung. Auch für Text sowie Regie zeichnen Griechen verantwortlich – die sich wunderten, dass der Athener Flughafen anders als der BER pünktlich fertig wurde. Auch andere Bühnenkünstler fühlten sich inspiriert. In „La Cousine Bette“, inszeniert von Frank Castorf an der Volksbühne, fantasiert ein Baron von einem geköpften Klaus Wowereit. Thomas Pigor singt, von Benedikt Eichhorn begleitet: „In den Brandenburger Sand setzen wir ganz entspannt den Airport Willy Brandt.“ Die Wallerts aus Berlin frönen dem finnischen Humppa-Sound. Textprobe: „Kommt ein Flugzeug geflogen, kann nicht landen in der Stadt, fliegt zum Leipziger Airport, weil Berlin keinen hat.“

In der Neuköllner Oper „Airossini“ ist der neue Schönefelder Flughafen längst in Betrieb. Doch dort geht es drunter und drüber.
Foto: Neuköllner Oper

Spielerisch ins Chaos. Schon der Werbetext für das Kartenspiel ist einfach zu schön. „Wowi! Da ging ja einiges schief! Haben Sie noch den Überblick, was beim Bau des Großflughafens in Berlin alles in die Hose ging? Das BER-Pannenquartett hat den Durchblick! Auf 40 Spielkarten, die üblichen 32 waren nicht ausreichend, wird mit exklusiven Bildern, humorvollem Text und Werten dargestellt, was in Berlin mit Ihren Steuergeldern geschieht! Verdoppeln Sie die Baukosten mit dem einzigartigen Wowi-Joker!“ Das Kartenspiel, 2014 von der damals 22 Jahre alten Hörfunkjournalistin Julia Eff entwickelt, ist immer noch zu haben. Preis im Internet: ab zirka neun Euro. Für 34,99 Euro gibt es „UnberechenBER – das verrückte Flughafenspiel“, auch davon wurde bislang nicht alles verkauft. Für dieses Brettspiel wird nicht minder drastisch geworben: „Baue einen internationalen Flughafen fertig und bringe ihn ans Netz! Verbrenne dabei so viele Steuerzahlertaler wie möglich: Geld spielt keine Rolle!“ Wer lieber für sich spielt, kann den Flughafen mit 158 Noppensteinen selber errichten. Das Bauset aus dem Brandenburgischen Verlagshaus Math. Lempertz kostet 19,99 Euro. Klaus Kiunke, in der Modellbaubranche tätig, und Andreas Spaeth, Luftfahrtjournalist in Hamburg, haben den Bausatz konzipiert. Mit den Noppensteinen lassen sich auch der Tower und viele Terminaldetails gestalten. Ein 40-seitiges Buch über die BER-Geschichte gehört dazu.

Wowi-Joker inbegriffen: Eine Hörfunkjournalistin aus Berlin hat das BER-Pannenquartett entworfen.
Foto: Promo

Die Uhr zum Desaster. Wer noch nicht genug von BER-Witzen hat und als Berliner noch nicht müde geworden ist, Fragen zum Pannenprojekt zu beantworten, sollte sich diese Armbanduhr zulegen. „Delayed“ (verspätet) heißt das Produkt aus dem Hause Swatch. „Der Running Gag für’s Handgelenk zum Erinnern, Kopfschütteln und Kaputtlachen“, so wirbt der schweizerische Uhrenhersteller. Das Jahr 2000, der erste angekündigte Eröffnungstermin, wurde gnädigerweise nicht auf dem Armband verewigt. Doch von 2011 an werden alle Jahre genannt und bis auf 2020 rot durchgestrichen. Die Uhr ist von diesem Sonnabend an im Swatch Store am Kurfürstendamm sowie im Swatch Store am BER erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers inklusive der Mehrwertsteuer von 16 Prozent beläuft sich bis zum 9. November auf 79,83 Euro. Danach werden 87,73 Euro fällig. Dazu passt vielleicht ein T-Shirt für 14,99 Euro, das im Internet angeboten wird. Die Aufschrift lautet: „Wäre es nicht preiswerter, Berlin abzureißen und es neben einem funktionierenden Flughafen wieder aufzubauen?“ Auch dieses Produkt könnte für allerlei Gesprächsanlässe sorgen – wer es mag. Falls nicht, empfiehlt sich ein Produkt, das ebenfalls mit Schönefeld zu tun hat: eine Mund-Nasen-Bedeckung mit dem Original-Logo der DDR-Airline Interflug (im Internet ab circa 11 Euro).

Mal sehen, wer sich traut, diese Uhr offen zu tragen: die neue Swatch „Delayed“.
Foto: Swatch