Eine Polizeichefin für alle: Die Erwartungen an Barbara Slowik sind hoch

Berlin - Mit einer kleinen digitalen Bastelarbeit hat die Behörde ihre neue Mitarbeiterin begrüßt: Traditionellerweise steht „Der Polizeipräsident in Berlin“ in großen Lettern über dem Haupteingang des Präsidiums am Platz der Luftbrücke. Und bisher war das auch nie ein Widerspruch zur tatsächlichen Besetzung der Behördenspitze.

Doch findige Bildbearbeiter aus der Pressestelle strichen nun das „Der“ und fügten ein Gendersternchen ein. „Polizeipräsident*in Berlin“ war das Ergebnis – das sogleich getwittert wurde. „Unsere neue Chefin ist da. Willkommen in der Polizeifamilie“, lautet der Text zum Bild, das vielfach geliked und retweetet wurde.

Ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung

Der offizielle Briefkopf (mit der männlichen Bezeichnung) wird für Barbara Slowik aber nicht geändert, wie die Polizei am Dienstag noch mitteilte. Das dürfte auch so ziemlich die geringste Sorge der 52-jährigen Juristin mit Doktortitel sein, die Innensenator Andreas Geisel (SPD) im Roten Rathaus vorstellte.

Dass Geisel die Stelle, vakant seit der Entlassung von Klaus Kandt im Februar, mit einer Frau besetzen wollte, um ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung zu setzen, machte er gleich klar. „Aber es ging hier ganz klar um Bestenauslese“, betonte der Senator. Slowik sei „eine ausgewiesene Expertin in den Bereichen Terrorabwehr und Informationstechnologie“ mit jahrelanger Führungserfahrung im Bundesinnenministerium.

„Ich möchte etwas bewegen“

Dies hervorzuheben war allerdings kaum nötig. Denn Slowik machte am Dienstag auch persönlich einen so resoluten wie kommunikationsfreudigen Eindruck – obwohl sie bisher wenig Erfahrung als öffentlich beobachtete Person in der ersten Reihe hat.

„Ich möchte etwas bewegen in dieser meiner Stadt“, sagte die gebürtige Berlinerin, die in Baden-Württemberg aufwuchs und studierte, bevor sie in den 90er-Jahren zum Referendariat in die Hauptstadt zurückkehrte. Karriere bis zur Referatsleiterin machte sie dann ab 2002 im Bundesinnenministerium. Als sie dort begann, war noch Otto Schily (SPD) Ressortchef.

Ein Parteibuch habe sie nicht, sagte Slowik, dafür ein breites Programm: mehr Polizei für die Terrorabwehr, mehr Beamte als „Bürgerpolizei im Kiez“, Verbesserungen der Ausstattung, der Vernetzung, der Infrastruktur. „Wer unterbesetzt und unterbezahlt in maroden Dienststellen arbeitet, dem wird kaum zugetraut, für die Sicherheit der Bürger sorgen zu können“, sagte Slowik, die Personal und Haushalt zur Chefinsache machen will. Sie stehe für eine offene Diskussionskultur, in der Kritik von jeder Ebene aus möglich sei.

Lob und optimistische Erwartung

Dazu gehört auch, dass im September ihr neuer Stellvertreter für Slowik anfangen soll, denn die bisherige Vize-Chefin Margarete Koppers ist inzwischen Generalstaatsanwältin. Die Ausschreibung laufe, sagte Geisel, gesucht wird ein erfahrener Vollzugsbeamter, der Slowiks fehlende Kenntnisse bei der Planung und Leitung operativer Einsätze ausgleichen kann.

Nicht nur ihre Behörde selbst begrüßte Slowik freundlich, auch die Polizeigewerkschaft GdP zeigte sich am Dienstag voller Vorfreude wegen der „guten Wahl“. Man hoffe auf einen generellen Paradigmenwechsel, sagte Vize-Landeschef Detlef Herrmann. „Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen jemanden an der Spitze, der sich für ihre Interessen stark macht.“

Auch aus der Politik kam, von der Linken bis sogar zur AfD, Lob und optimistische Erwartung nach Slowiks Amtsantritt. Nur die CDU scherte aus und bezweifelte die Eignung der neuen Behördenchefin, die dem Senator von seinem Innenstaatssekretär Torsten Akmann empfohlen worden war. „Es macht mich einigermaßen sprachlos, wenn gute Verbindungen zum SPD-Innenstaatssekretär schon ausreichen, um in Berlin Polizeipräsidentin zu werden“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf. Diese „Ämterpatronage“ sei inakzeptabel und unverantwortlich.