Berlin - Jetzt oder nie. Der Moment, eine für Berlin wichtige Diskussion zu führen, ist jetzt. Die Neue Gertraudenbrücke in Berlin-Mitte, die unweit vom Spittelmarkt über den Spreekanal führt, ist marode und fällt wie die benachbarten Brücken in absehbarer Zeit aus. Der Senat bereitet einen Wettbewerb vor, der Ideen für das Nachfolgebauwerk liefern soll. Doch hier geht es nicht nur darum, alte Brücken durch neue zu ersetzen, das eigentliche Thema strahlt darüber hinaus. Wie leistungsfähig soll der Straßenzug Leipziger Straße/Grunerstraße, eine der derzeit noch wichtigsten Ost-West-Verbindungen, künftig sein? Muss sich Berlin von der Verkehrsschneise aus DDR-Zeiten verabschieden?

Heute Fahrbahn, morgen Park

Anwohnerverbände, andere Initiativen, Politiker der SPD und Grünen im Bezirk sind sich klar: Die Quasi-Stadtautobahn, die seit mehr als einem halben Jahrhundert die angrenzenden Stadtteile voneinander trennt, Anlieger mit Lärm und Abgasen belästigt, muss schmaler werden. Ein langer Streifen der heutigen Fahrbahn soll zu einem Park werden. Verlangt wird nichts mehr und nichts weniger, als diesen Teil der Bundesstraße 1 in einen untergeordneten Verkehrsweg zu verwandeln.

Das kann man so machen. Mit der Mobilitätswende, die angesichts von Erderhitzung und Russlands Krieg immer drängender wird, sind sechsspurige Straßen in der Innenstadt schwer vereinbar. Aber die Frage ist, ob nur Mitte an dieser Entscheidung mitwirken sollte. Nicht nur diese Ost-West-Trasse, auch die Torstraße (ebenfalls in Mitte) oder die Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg sollen schmaler werden. So wahrscheinlich es ist, dass sich ein Teil des Verkehrs in Luft auflösen wird – ein derart geballter Rückbau von Autoinfrastruktur wird nicht ohne Folgen bleiben. Es ist richtig, dass der Senat nun weitere Aspekte in den Blick nimmt. Doch eine schwierige Entscheidung wird es trotzdem sein.