Berlin - Tausende Feiernde, nächtliche Randale, Müll und Lärm, verletzte Politzisten. Die Situation im James-Simon-Park in Mitte ist in den vergangenen Tagen und Wochen derart eskaliert, dass das Bezirksamt jetzt knallhart reagiert. Der Park darf ab sofort nach 20 Uhr nicht mehr betreten werden.

Für Berlin und seine Kultur der jederzeit offenen Parks und Grünflächen ist das neu. Eine Schließung öffentlicher Grünflächen kann nur derjenige befürworten, der sie nicht braucht, weil er selbst über genügend Platz verfügt.

Urheber des Verbots ist Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel. Er wolle damit „die Spirale von Gewalt in und aus dem Park durchbrechen“, schreibt der Grünen-Politiker. Das ist sogar seine Pflicht als Bürgermeister. Doch es stört der hohe Ton: So sagt von Dassel, dass der Park „wieder“ das werden solle, „was er lange war: ein toller Park für alle mit atemberaubender Kulisse“. Dabei ist es sehr unwahrscheinlich, dass er mit dem Verbot, bei dem ihm die Polizei assistieren wird, tatsächlich diesen Erfolg haben wird.

Viel wahrscheinlicher ist, dass das Verbot zu einer Verdrängung führen wird. Die erlebnishungrigen jungen Leute werden sich einen anderen Ort suchen. Im Fall des James-Simon-Park ist das im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, befindet sich der Monbijoupark doch gleich nebenan.

Nun gehört das Partymachen im Park seit einigen Jahren zum Lifestyle junger Leute, Corona hat das noch verstärkt. Es bedarf einer Idee, eines Konzepts, eines Angebots: betreutes Feiern mit Hygienekonzept auf abgegrenzten Flächen, kommunale Konzertbühnen, freie Plätze und Räume, irgendetwas. Nicht einfach nur ein Verbot. Schlimm genug, dass zum Beispiel das lange schon in Aussicht gestellte  Programm der „Draußenstadt“ der Senatskulturverwaltung bisher nicht über jenes Stadium der Ankündigung hinausgekommen ist. Es ist ein Trauerspiel.