Die Bauzäune, die Bagger und Schuttberge sind lange verschwunden. Vor dem Auge tut sich ein kleiner Park auf zwischen Märkischem Museum und Rungestraße, nicht viel mehr als eine Grünfläche, doch dieser Begriff ist zu seelenlos für die Szenerie. Die Morgensonne nimmt ihren Job ernst und malt liebevoll helle Flecken und Streifen auf die Wiesen und Wege. Auch die Bänke sind gemustert, Menschen sitzen auf ihnen wie hingetupft.

Eine Sonnenbank ist noch frei und leuchtet derart, dass es eine Sünde gegen den Frühling wäre, sich nicht niederzulassen. Zumal, wenn man sich als Flaneurin begreift, als Fußgängerin aus Überzeugung. Denn sich einfach mal hinzusetzen, gehört unbedingt dazu. Die Gedanken spazieren ja weiter und auf einer Bank kann man ihnen gut dabei zusehen. Man darf nur sonst nichts tun. Diesem Gesetz folgen alle, die an diesem Morgen im Köllnischen Park den Tag ganz langsam beginnen. Mit geschlossenen Augen, die Gesichter gen Himmel gereckt. Eine Frau telefoniert dabei, und es ist unvorstellbar, dass sie ein amtliches Gespräch führt oder gar streitet. Das Licht gebietet liebe Worte und hat die Vögel auf seiner Seite.

Ich setze mich und warte auf die Stimme der Stadt. Bekämpfe eine winzige Unruhe, weil ich bald einen Termin habe. Sie ist nicht nur winzig, sondern auch schwach und räumt schnell das Feld. Eile hat in kleinen Parks nichts verloren, das Sitzen auf Bänken hat sie nie gelernt und dort, wo sie regiert, verstummt die Stimme der Stadt. Wer hastet, dem erzählt sie nichts. Oder anders gesagt: Sie erzählt alles allen, sie ist nicht wählerisch. Doch wer seine Ohren mit Hast verstopft oder mit Kopfhörern verschließt, kann sie nicht hören.

Nicht so einfach ist der Kampf gegen die Gedanken an den Krieg nicht weit entfernt von diesem Ort des Friedens. Die Bilder ziehen nicht vorüber, sie scheinen eintätowiert in die Netzhaut. Sie müssten eigentlich schwarz-weiß sein, so gestrig kommen sie mir vor, und doch entstammen sie der neuen Gegenwart. Ich versuche, andere darüberzulegen, die der Demonstrationen für den Frieden, für eine kurze Weile gelingt es mir. Weil dieser grüne Fleck inmitten der Stadt mit den Bänken darauf und den stillen Menschen ebenfalls wirkt wie eine Friedensdemonstration. Und wünsche mir, mit geschlossenen Augen, dass die Menschen in den Bunkern auch irgendwann wieder einfach irgendwo sitzen können. Und in die Sonne sehen statt auf Schuttberge.

Buchpremiere von „Immer schön langsam“, dem neuen Kolumnen-Buch von Barbara Weitzel, am Donnerstag, 17. März, um 20 Uhr im Pfefferberg-Theater, Schönhauser Allee 176.