Berlin - Acht Jahre nachdem der Entwurf einer beweglichen Schale als Sieger aus dem Wettbewerb um das Freiheits- und Einheitsdenkmal hervorgegangen ist, erhebt der Oscar- Preisträger Christoph Lauenstein den Vorwurf, das Werk der Agentur Milla & Partner sei ein Plagiat. Die Idee sei von seinem preisgekrönter Kurzfilm „Balance“ von 1989 geklaut.

Dieser Film, ein Gleichnis für die friedliche Revolution und die deutsche Einheit, lebe von der Grundidee der Balance von Menschen auf einer Plattform, sagte er dem Tagesspiegel.

Gestalter über Plagiatsvorwürfe: „Unzutreffend, konstruiert und juristisch nicht haltbar“

Sebastian Letz, Kreativdirektor und Partner von Johannes Milla, war von der Ideenfindung bis heute an dem Projekt Einheits- und Freiheitsdenkmal beteiligt. Er, der eigentliche Gestalter der Schale, nennt den Vorwurf „unzutreffend, konstruiert und juristisch nicht haltbar“.

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal „erinnert an die nicht für möglich gehaltene Realisierung einer Utopie, an die positive Kraft der Veränderung. Ein freudiger Moment der deutschen Geschichte. Herr Lauensteins Film ist die düstere Inszenierung einer Dystopie, die von Gier, Gewalt und Vereinzelung erzählt“, sagte Letz der Berliner Zeitung.

Das Denkmal beabsichtige auch nicht, „Balance“ darzustellen, sondern Bewegung, die durch verabredetes Handeln von Menschen entsteht. Die Schale solle ein für alle und jederzeit zugänglicher Ort sein.

Filmemacher will „ein bisschen vom Erfolg“ abhaben

Eine neue Dimension bekommt der Streit der Künstler durch ein Schreiben, das Christoph Lauenstein an Milla & Partner richtete. Darin schlägt er einen Deal vor: Er mache keinen weiteren medialen Ärger, dafür wolle er Geld.

In dem Schreiben erklärt der Filmemacher, er wolle „wenigstens ein bisschen am Erfolg des Vorhabens ‚Einheitsdenkmal‘“ partizipieren. In dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt, kündigt er an, „in den nächsten Wochen weitere Zeitungen und das Fernsehen sowie gezielt auch Politiker über diesen Fall“ zu informieren sowie ein eigenes Konkurrenzvorhaben zur Wippe zu starten, nämlich „ein Remake des Filmes Balance in Form einer holografischen Videoskulptur, die als Mahnmal zur deutschen Einheit in Museen ausgestellt werden soll“.

Lauenstein schreibt weiter: „Hiervon versprechen wir uns im Fahrtwind des entstehenden Einheitsdenkmals die Aufmerksamkeit, die unser Werk verdient hat.“

Christoph Lauenstein fordert 100.000 Euro Entschädigung

Schließlich bietet er an, auf „entsprechende Protest- und Gegenmaßnahmen abzusehen“, wenn 100.000 Euro Entschädigung gezählt würden. Er spricht von „ungebrochener Wut“ über den Klau einer kreativen Leistung.

Doch warum meldet sich Lauenstein erst jetzt? Im Tagesspiegel hatte er auf die Frage nach der langen Verzögerung für seine Plagiatsklage geantwortet, er habe „Wichtigeres zu tun“ gehabt. Nun aber wolle er „einfach mal diesen Dominostein umstoßen und sehen, was passiert“.

Der Zeitpunkt ist auch insofern interessant gewählt, weil im 30. Jahr des Mauerfalls der Termin naht, an dem der Grundstein für die Einheitswippe gelegt werden soll.

Kritik am Standort der Einheitswippe

Der Plagiatsvorwurf ist nicht das einzige Problem, mit dem sich das geplante Denkmal seit Jahren herumschlägt: Umfragen besagen, dass eine deutliche Mehrheit der Bürger dieses Denkmal nicht will.

Der Standort vor dem Schloss wird aus mehreren Gründen kritisiert. Erstens wird die Aufstellung ein dort bestehendes Denkmal schwer beschädigen, zweitens weist der Ort keinen richtigen Bezug zu den Ereignissen von 1989 auf und drittens wird eine deutsche Nabelschau vor der „Weltschau“ im Humboldt Forum für deplatziert gehalten.