Großtrappen, Kammmolche, Fledermäuse – solche  Tierchen gelten so manchem inzwischen als Symptome dafür, dass Deutschland „nichts Großes“ mehr schaffe. Nur nicht so pingelig sein mit dem Naturschutz, lautet die Parole von Bauwilligen. Aber wird ihr auch der Bundestagshaushaltsausschuss folgen, der nach vielfachen Verzögerungen nun am Donnerstag um 10 Uhr endgültig das Geld für das Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin freigeben soll? 

Wasserfledermaus und Zwergfledermaus

Der Wippe würden nämlich nach neuen Informationen der Berliner Zeitung auch die Nistplätze von mindestens zwei Fledermausarten zum Opfer fallen – die unter strengstem Naturschutz stehen. Seit den 1990er-Jahren ist bekannt, dass dort Wasserfledermäuse nisten. Zu ihnen sind während der jüngsten Sanierung der Gewölbe auch Zwergfledermäuse gezogen, Gattung Pipistrellus. Das entnahmen wir Akten, die aufgrund des Informationsfreiheitsgesetzes geöffnet werden mussten.

Architekten und Denkmalinitiatoren behaupten zwar, man könne die Tiere einfach umsiedeln. Ein Konzept dafür aber gibt es noch nicht. Und die Bedürfnisse der Zwergfledermaus wurden noch gar nicht berücksichtigt. Von deren 35 bekannten Arten wurde immerhin schon eine ausgerottet.

Fledermäuse vertragen keinen Lärm

Trotzdem hat der Bundestag kürzlich mitteilen lassen, dass Bundes-Naturschutzgesetz und Berliner Denkmalschutzgesetz bei seinem Denkmalbauprojekt nachrangig seien. Er will weiterhin sieben gewaltige Betonsäulen durch die Gewölbe des 1898 errichteten Kaiserdenkmals stemmen lassen, später kommt das Gerumpel der Einheitswippen-Maschinerie hinzu. Lärm aber können die Tierchen gar nicht ab.

Am Denkmal-Vandalismus trägt laut Aktenlage Berlin ein gerüttelt Maß Schuld. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher stimmte vor einigen Jahren wider den Rat der Denkmalpfleger zu, dass die kostbaren Mosaiken vom Kaiserdenkmalsockel entfernt werden dürfen. Die Kunstwerke von 1898 stören, angeblich weil auf ihnen – oh Wunder! – Kaiserkronen und auch Wappen von Gebieten zu sehen sind, die 1871 zum Deutschen Reich gehörten, aber heute nicht zur Bundesrepublik.

Dass der Bundestag bereit ist, seine eigenen Naturschutz-Gesetze zu brechen, das erstaunt dann doch. Schließlich ist Naturschutz kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um den Menschen mit seiner Umwelt zu versöhnen. Die Fledermäuse dürfen zwar nicht wählen. Aber vielleicht trauen sich ja die Naturschutzverbände, sie zu vertreten. Im Unterschied zu Denkmalvereinen dürfen sie nämlich vor Gericht ziehen – sogar gegen den Bundestag.