Berlin - Die Vorbereitungen für den Bau des Einheits- und Freiheitsdenkmals vor dem Humboldt Forum gehen mit einer Ausnahmegenehmigung in die nächste Runde. Unter strengen Auflagen erlaubt die Senatsverwaltung für Umwelt den Bau des als Einheitswippe bekannten Denkmals.

Wie der Sprecher der Verwaltung, Jan Thomsen, mitteilte, seien die Auflagen am Freitag dem Generalunternehmer des Bundes, der Arge Milla Partner, am Freitag übermittelt worden. Johannes Milla und Partner sind die Urheber des als 50 Meter große, 150 Tonnen schwere bewegliche Schale vorgesehenen Bauwerks.

Die Auflagen betreffen vor allem den Schutz der in den Gewölben des Sockels unter dem geplanten Denkmal siedelnden Wasserfledermäuse. Diese Populationen stehen in Berlin auf der Roten Liste als gefährdete beziehungsweise stark gefährdete Säugetiere.

Der Sprecher erinnert ausdrücklich daran, dass Gutachter bereits 2012 festgestellt hatten, dass Fledermäuse die Sockelgewölbe als Überwinterungsquartier und im Sommer zur Aufzucht von Jungen nutzen.

Bevor Einheitswippe gebaut wird: Fledermäuse brauchen neue alternative Brutplätze 

Milla und Partner habe jedoch im vornherein keine Maßnahmen zur Umsiedlung vorgenommen. Der Generalunternehmer habe die Ausnahmegenehmigung beantragt, um den Bau möglichst kostengünstig voranzutreiben, teilte der Sprecher der Senatsverwaltung mit. Die nun erteilten Auflagen verpflichten dazu, bis spätestens Ende Februar für circa 60 Wasserfledermäuse alternative Brutplätze (zum Beispiel Fledermaus-Brutkästen) im Plänterwald in Treptow-Köpenick einzurichten.

Dort sind zudem längere Uferbereiche zu renaturieren, um das Nahrungsangebot an Insekten sicherzustellen. Die durch Einflughindernisse zwischenzeitlich verloren gegangenen Winterquartiere sind in den Gewölben des Denkmalsockels wieder einzurichten und zugänglich zu machen.

Sollten trotz der seit 25. September 2019 eingerichteten Einflughindernisse noch Fledermäuse in den Gewölben entdeckt werden, dürfen keine Bauarbeiten stattfinden, die diese Tiere gefährden. Weiter ordnet die Ausnahmegenehmigung an, dass sämtliche Maßnahmen und ihre Erfolge zu protokollieren sind; man behalte sich weitergehende Auflagen vor.

Die Einheitswippe wird ein Klimasünder 

Gegen den Bescheid kann vor dem Verwaltungsgericht Berlin geklagt werden. Milla und Partner könnten dies tun; sie hatten bereits früher wissen lassen, dass sie nicht gewillt seien, die auf etwa eine Million geschätzten Kosten der Uferrenaturierung zu tragen. Ob diese von anderer Seite, etwa vom Auftraggeber des Einheitsdenkmals, der Bundesrepublik, bezahlt werden könnten, bleibt unklar.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) Berlin hat Klage angekündigt. Ein Baubeginn in diesem Jahr ist keinesfalls sicher. Annette Ahme, Vorsitzende des Vereins Berliner Historische Mitte, forderte jetzt, „diese Maßnahme von vorgestern“ zu „stornieren, zu überdenken, aufzuhalten“.

Angesichts des deutsch-deutschen Auseinanderdriftens passe „die Wippe der Einheit“ nicht ins Klima, Sie erinnert zudem daran, dass der Fußboden der Schale von fünf Grad abwärts beheizt werden soll – Klimaschutz hin oder her.