Nördlich vom Hauptbahnhof (rechts im Hintergrund) wird seit Jahren gebaut. Doch der erste Abschnitt der S21, der von hier zum Nordring führen wird, geht nun erst 2021 in Betrieb. 
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BerlinDie jahrelange Diskussion um die Streckenführung eines der wichtigsten Berliner Nahverkehrsprojekte ist beendet. Der Deutsche Bundestag und die Deutsche Bahn (DB) haben sich darüber geeinigt, wie die geplante zweite Nord-Süd-S-Bahn das Reichstagsgebäude umfahren wird. Das bestätigten Beteiligte nach der Sitzung der Bau- und Raumkommission des Ältestenrates des Bundestages, die am Mittwochabend endete.

Damit gibt es nun grünes Licht, damit das bereits in den 1990er-Jahren begonnen Projekt endlich vlorangetrieben werden kann. „Wir sind zuversichtlich, dass der Streckenabschnitt, um den es hier geht, noch in den 2020er-Jahren in Betrieb gehen kann“, sagte der DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek. Ursprünglich hieß es, dass dieses Teilstück nicht vor 2035 ans Netz gehen könnte.

Erstes Teilstück wird nun erst im Sommer 2021 eröffnet 

Es geht um die genannte City-S-Bahn, die lange Zeit den bahninternen Arbeitstitel S21 trug - bis das Kürzel wegen des Streits um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 in Misskredit geriet. Die Strecke im Stadtzentrum, mit deren Hilfe die seit mehr als 80 Jahren bestehende erste Berliner Nord-Süd-S-Bahn entlastet werden soll, wird an den Nordringstationen Wedding und Westhafen beginnen.

Der erste, bereits in Angriff genommene Abschnitt, der in einer provisorischen Station nördlich der Invalidenstraße am Hauptbahnhof endet, soll nun im Sommer 2021 fertig werden, teilte die Bahn am Donnerstag mit. Zuletzt hieß es, dass der S-Bahn-Pendelbetrieb zwischen Gesundbrunnen, Wedding und Hauptbahnhog im Dezember 2020 starten soll. Doch Grundwasser hat die Bauarbeiten verzögert. Immerhin wurde die Zeit genutzt, wie vom Fahrgastverband IGEB gefordert einen Zwischenhalt in der künftigen Europacity einzuplanen. "Nach der Bewertung auf Basis einer Nutzen-Kosten-Analyse soll ein zusätzlicher Halt an der Perleberger Brücke bestellt werden", teilte die Bahn am Donnerstag mit. "Damit kein Verzug im Gesamtprojekt auftritt, hat sich die Senatsverwaltung dafür entschieden, bereits jetzt gemeinsam mit der Deutschen Bahn Vorsorgemaßnahmen für diese neue Station einzuleiten."

Das geplante südliche Teilstück der City-S-Bahn wiederum soll vom S-Bahnhof Potsdamer Platz zur Yorckstraße führen. Zu ihm wird ein Turmbahnhof gehören, der das Umsteigen zur U-Bahn am Gleisdreieck ermöglicht.

Eine Röhre links, die andere rechts am Reichstag vorbei

Der 1,9 Kilometer lange mittlere Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz, über den nun entschieden wurde, galt bislang als besonders schwieriges Teilprojekt. Weil die beiden Tunnelröhren dem Reichstagsgebäude nahe kommen, wurden im Deutschen Bundestag immer wieder Bedenken geäußert. Dort hat man den Einsturz des U-Bahn-Tunnels 2009 in Köln immer noch vor Augen. Doch nun konnte die Angst, dass der S-Bahn-Tunnel dem Parlament zu sehr auf die Pelle rückt, ausgeräumt werden.

„Wir werden die Planungsvariante 12 umsetzen“, erklärte Alexander  Kaczmarek. Wie bei anderen Varianten wird eine Röhre westlich und die andere östlich des Reichstagsgebäudes verlaufen. Die nun besiegelte Lösung stellt sicher, dass keine der beiden Tunnelröhren dem Sitz des Bundestags näher als 13,50 Meter kommt. Erforderlich ist, dass die Streckengeschwindigkeit von den ursprünglich geplanten 80 auf 60 Kilometer in der Stunde herabgesetzt werden muss. Doch dies werde kaum zu Zeiteinbußen für die Fahrgäste führen, so der Bahn-Manager.

Die Karte zeigt, wo der Tunnel verlaufen wird. Am Reichstagsgebäude wird die westliche Röhre weiter abgerückt als bisher vorgesehen.
DB

Die Standsicherheit der Parlamentsgebäude während der Bauarbeiten ist somit gewährleistet und der parlamentarische Betrieb könne ohne wesentliche Einschränkungen fortgesetzt werden, hieß es.
"Die Bedenken des Bundestages hinsichtlich der Statik des Reichstagsgebäudes konnten endlich ausgeräumt werden“, lobte Wolfgang Kubicki (FDP), der Vorsitzende der Kommission, noch am Abend. „Der Weg für die Fortsetzung der S 21 ist damit frei. Wir erwarten nun auch die Zustimmung der Deutschen Bahn zum Bauvorhaben des Besucherinformationszentrums.“

Das Informationszentrum soll mit einem Tunnel angebunden werden, dessen Verlauf genau wie der U-Bahn-Tunnel der BVG (U55, künftig U5) bei den Bahnplanungen berücksichtigt werden muss.

"Ein sehr wichtiges Projekt"

„Ich freue mich, dass die DB Netz AG und der Deutsche Bundestag, vertreten durch den Parlamentsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki MdB, unter meiner Vermittlung zu einer Lösung für den S-Bahntunnel am Reichstagsgebäude gelangt sind", lobte Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. "Die Lösung ist hervorragend für das Besucherzentrum des Bundestages und die Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse in der Hauptstadt. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die Kompromissbereitschaft.“

Auch im Senat freut man sich über den Kompromiss. „Mit der einvernehmlichen Lösung zum Streckenverlauf des zweiten Bauabschnitts hat die neue Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn eine wesentliche Hürde genommen", so Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne). "Die S 21 ist für Berlin ein sehr wichtiges Projekt, das die innerstädtischen Verkehrsadern spürbar entlasten wird.“