Einkaufszentrum darf neu gebaut werden: Geschacher in Pankow

Berlin - Kurt Krieger hat gewonnen. Gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, gegen Stadtentwicklungssenator Michael Müller, (beide SPD) und etliche andere Politiker, die bisher meinten, ein neues Einkaufszentrum in Pankow könne den regionalen Händlern schaden, bestehende Einkaufszentren gefährden.

Kurt Krieger ist Möbelhändler, Multimillionär und Inhaber der Möbelkette Höffner. Ihm gehört das etwa 40 Hektar große Gelände des früheren Rangierbahnhofes Pankow. Seit fünf Jahren will der 65-Jährige dort ein weiteres Möbelhaus und ein riesiges Einkaufszentrum bauen. Zwar hat er immer noch keine Erlaubnis, nun aber wieder große Hoffnung.

Denn Krieger hat dem Senat ein Angebot gemacht, das dieser nicht ablehnt. Der Unternehmer schenkt dem Land zwei Grundstücke auf dem Gelände, dort sollen zwei neue Schulen entstehen, die Pankow dringend braucht. Die Grundstücke sind 8,4 Millionen Euro wert. Krieger baut auf dem Gelände auch 750 Wohnungen. Dem Senat hat er versprochen, dass 250 davon eine sehr moderate Miete von 5,50 Euro kalt haben werden, dieser Wert gilt 20 Jahre lang.

Im Gegenzug fordert Krieger eine Baugenehmigung für ein Einkaufszentrum, das mindestens 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat. Das ist fast so groß wie der Kaufhof am Alex. „Es liegt nun ein Entwurf auf dem Tisch, der eine große Anziehungskraft hat“, sagte Krieger am Dienstag der Berliner Zeitung.

„Kannibalisierung der Standorte“

Am vergangenen Mittwoch hatte Wowereit den Möbelhändler zu einem Vorortbesuch auf der riesigen Brache gebeten. Dort hatte Krieger seine Angebote gemacht und spürt nun ein gewisses Entgegenkommen. „Wir brauchen diese bezahlbaren Wohnungen in zentraler Lage“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Der Senat habe ein großes Interesse, das Gelände endlich weiterzuentwickeln.

Denn seit nunmehr anderthalb Jahren diskutieren Stadtplaner, Politiker, Gutachter und Anwohner in einem zähen Werkstattverfahren mit dem Eigentümer, was dieser denn nun bauen darf und was nicht. 350 Millionen Euro will Krieger in sein Projekt Pankower Tor investieren. Am U-und S-Bahnhof Pankow ist ein großer Stadtplatz geplant, mit Wohnhäusern, Büros, einer Bibliothek und einer Schule mit Turnhalle. Im mittleren Teil sollte anfangs ein großer Park entstehen, dorthin kommt nun das Wohnviertel, eine neue Straßenbahnlinie führt von Pankow nach Heinersdorf. Im östlichen Teil will Krieger sein 40.000 Quadratmeter großes Möbelhaus bauen, sowie das Einkaufscenter und eine weitere Schule.

Bisher meinte der Senat, ein Einkaufscenter nach Kriegers Vorstellung führe zu einer „Kannibalisierung der Standorte“, man werde das Center so nicht genehmigen. Nun hört man von gleicher Stelle, es gehe um eine Anerkennung der Leistung Kriegers, es gebe neue Realitäten. Krieger will 2014 mit den Bauarbeiten starten. Im Bezirk rechnet man mit noch mindestens drei Jahren Planungszeit. Noch ist das Areal eine Brache, es gilt kein Baurecht.

Viele am Planungsverfahren Beteiligte reagieren jetzt überrascht auf den Wandel im Senat. „Es ist noch ungewiss, ob das Werkstattverfahren dem entspricht, was der Senat beschließt“, sagt Roland Schröder, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Pankow.