Die Männer tragen eine dunkelblaue Uniform mit grüngelben und silbernen Leuchtstreifen. „Brandschutz“ steht hinten auf der Jacke. Die Uniformierten sind in der Mall of Berlin am Leipziger Platz nicht zu übersehen, sie müssen dort seit Monaten auf Streife gehen. Denn in dem Einkaufszentrum funktioniert die Brandschutzanlage noch immer nicht vollautomatisch. Und das, obwohl die Eröffnung der milliardenteuren Mall schon über ein halbes Jahr zurückliegt.

Investor Harald Huth mit seinem Unternehmen HGHI muss schon seit September 2014 Brandwachen einsetzen, um den Brandschutz für Kunden und Mitarbeiter der Läden zu garantieren. Wann die Technik endlich vollständig arbeitet, vermag niemand zu sagen. Dass es gravierende Mängel an der Brandschutzanlage gab, wurde im Herbst öffentlich. Nach einem Krisengespräch im November kamen Behörden und der zuständige Prüfingenieur zum Ergebnis: Es gebe trotzdem keine Bedenken, die Mall weiter zu betreiben.

Keine automatische Verbindung zur Feuerwehr

Nachdem einige der Mängel behoben sind, fehlt jedoch immer noch die automatische Verbindung von den beiden Brandmeldezentren zur Feuerwehr. Die Zentralen müssen derzeit mit zwei Personen besetzt sein. Festgelegt sind die Sicherheitsmaßnahmen in der Nutzungserlaubnis, andernfalls dürfte Huth das Shoppingcenter mit 270 Geschäften gar nicht betreiben. Schlägt in der Mall jetzt ein Rauchmelder an oder bricht ein Feuer aus, wird das in der Zentrale zwar signalisiert und ein Lämpchen leuchtet auf. Die Brandwachen müssen dann aber die Feuerwehr anrufen.

Dieses umständliche Prozedere wird neudeutsch als Mensch-Maschine-Lösung bezeichnet. Dinge, die die Technik übernehmen sollte, müssen die Mitarbeiter per Hand erledigen. „Sicherheitseinschränkungen gibt es dadurch nicht“, beschwichtigt HGHI-Rechtsanwalt Mathias Hellriegel. Es seien noch einige technische Abstimmungen erforderlich. Das Management der Mall äußerte sich auf Anfrage nicht.

Ursprünglich sollte die Schaltung zur Feuerwehr bis Ende Januar stehen. Doch es kam zu Verzögerungen, weil der Generalübernehmer für den Bau, die Fettchenhauer Controlling & Logistik, pleite ging. Laut Hellriegel habe man allein die Zeit bis Januar für neue Ausschreibungen und neue Verträge benötigt.

Dass bei Großprojekten Brandwachen eingesetzt werden, bezeichnet die Feuerwehr als üblich. „So lange wie in der Mall ist es aber ungewöhnlich“, sagt Sprecher Stephan Fleischer. „Wir haben aber keinen Zweifel am sicheren Betrieb der Mall“. Wie es heißt, wurde die Brandmeldeanlage mittlerweile so vorbereitet, dass demnächst die automatische Weiterleitung zur Feuerwehr geschaltet werden kann. „Das ist hoffentlich bis zum Sommer erledigt“, sagt Anwalt Hellriegel. Einen Termin zur Abnahme durch Prüfingenieur und Feuerwehr gibt es aber nicht.