Hier sind Ärzte nicht kühl und distanziert, Pfleger nicht gestresst und Patienten nicht nörgelig. Im Krankenhaus von Spremberg (Landkreis Spree-Neiße) ist die Stimmung für eine Klinik ungewöhnlich, und das rührt daher, dass sie etwas hat, was kein weiteres Spital in ganz Deutschland vorweisen kann: Eine Belegschaft, der das Haus mehrheitlich gehört.

Ärzte, Schwestern, Pfleger, Verwaltungs- und technische Mitarbeiter sind in einem Förderverein organisiert, der über 51 Prozent der Anteile an der gemeinnützigen Spremberger Krankenhausgesellschaft verfügt. Die anderen 49 Prozent hält die Stadt Spremberg. Sabine Manka, Matthias Warmo und Kathrin Möbius sind als Vereinsmitglieder Angestellte und Chefs zugleich, denn ohne die Zustimmung des Vereins kann keine Entscheidung getroffen werden.

„Das ist mein Haus. Das ist meine zweite Familie“, sagt die Chefärztin der Gynäkologie Sabine Manka. Diese Haltung ist kein Einzelfall. Intensiv-Krankenpfleger Matthias Warmo genießt, dass er sich „mit Zeit und Empathie“ um die ihm anvertrauten Menschen kümmern kann.

Das Modell ist seit 20 Jahren bewährt

Und auch die Patienten schwärmen. Von den freundlichen hellen Räumen, dem guten Essen, den Ärzten und Schwestern, „die immer auch ein nettes Wort für uns übrig haben“, sagen die beiden Hüftpatientinnen Inge Kiersch und Elli Haiasch. Seit 20 Jahren bewährt sich dieses einzigartige Betreiber-Modell nun schon.

Als 1997 die Anteile von zwei privaten Gesellschaftern aufgrund von Missmanagement an die Stadt zurückfielen, drohte der Klinik in der Lausitzer Provinz ein Aderlass. „Davon hätten wir uns nie wieder erholt“, sagt Klinik-Geschäftsführerin Kathrin Möbius.

1997 war sie ökonomische Direktorin der Spremberger Klinik, und damals ging es für sie vor allem um eine Frage: „Warum sollen wir uns wieder von außen reinreden lassen, wo wir doch selber über alle ökonomischen, medizinischen und menschlichen Kompetenzen für einen funktionierenden Krankenhausbetrieb verfügen?“ Die Idee vom Betreiberverein war geboren.

Das Spremberger Krankenhaus scheut sich nicht vor Investitionen

Land und Stadt ließen sich nach einigem Wenn und Aber auf das Experiment ein. „Das Geld für die nötigen Investitionen und für die medizinischen Leistungen kam damals wie heute vom Land und den Krankenkassen“, erklärt die Ökonomin. „An uns war und ist es, damit zum Wohle der Patienten verantwortungsvoll umzugehen.“

Das Spremberger Krankenhaus schreibt seit seinem Neustart alljährlich schwarze Zahlen. Und das, was übrig bleibt an Geld, wird eins zu eins in die Ausstattung der Stationen, die Gestaltung des Außengeländes oder die neu geschaffenen Einrichtungen wie das ambulante medizinische Versorgungszentrum und den Betriebskindergarten gesteckt.

„In allen Fragen herrscht absolute Offenheit, das ist das Erfolgsrezept“, sagt Chefärztin Sabine Manka. Sie ist als Vorsitzende des Fördervereins Mittlerin zwischen den Interessen der Belegschaft, den Bedürfnissen der Patienten und den Erfordernissen eines solide wirtschaftenden Unternehmens.

Auf 1000 Patienten kommen in Spremberg 20,3 Pflegekräfte

Es habe auch unpopuläre Entscheidungen gegeben, die Ausgliederung der Physiotherapie zum Beispiel, der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen oder die Schließung der Krankenhaus-Apotheke. Alles sei vom Verein mitgetragen worden. „Das hat funktioniert, weil nichts hinter verschlossenen Türen ausgekungelt wurde“, sagt die Vereinsvorsitzende.

In dem Lausitzer Krankenhaus sind derzeit 328 Mitarbeiter beschäftigt. Vor allem im pflegerischen Bereich leistet sich die Gesundheitseinrichtung sogar mehr Personal als andere vergleichbare Häuser. Auf 1000 Patienten kommen in Spremberg 20,3 Pflegekräfte. Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Wert rund ein Fünftel niedriger. „Dafür verdienen wir aber auch etwas weniger. Auch das ist eine bewusste Entscheidung des Vereins und der Gesellschafter“, sagt Matthias Warmo.

Leiharbeit ist kein Thema

Der Pfleger ist Betriebsratschef und stellvertretender Vereinsvorsitzender. „Wir können wirklich entspannt arbeiten, haben so mehr Zeit für die Patienten.“ Das ist offenbar nicht nur dem Vater von drei Kindern wichtiger als ein paar Euro mehr auf dem Konto. „Wir haben keine Probleme, motiviertes Personal zu finden. Leiharbeit und Werkverträge sind hier bei uns kein Thema.“

Und auch die Patienten wissen es zu schätzen, dass in diesem Krankenhaus die Uhren etwas anders ticken. Auf der Weißen Liste der Bertelsmann-Stiftung, einem Internetportal zur Bewertung von Krankenhäusern, glänzt das Spremberger Haus mit dem absoluten Spitzenwert von 98 Prozent Patientenzufriedenheit. „Dann können wir ja nicht so viel falsch machen“, sagt Chefärztin Sabine Manka.