Berlin - Am Rande der Demonstration gegen Mieterhöhungen und Verdrängung sind am Samstagnachmittag mehrere Personen in einen leerstehenden Laden in der Wrangelstraße in Berlin-Kreuzberg eingedrungen. Sie erklärten das Gebäude für besetzt.

700 Menschen vor dem Haus im Wrangelkiez

Als die Polizei den Laden kurz darauf räumte, kam es zu vereinzelten Rangeleien mit rund 700 überwiegend linksautonomen Sympathisanten der Besetzer vor dem Haus. Dabei wurden die Einsatzkräfte auch mit Flaschen beworfen.

Kurz nach dem Einsatz teilte die Polizei dann mit, dass die Sicherung des Gehwegs sowie des Gebäudes „ohne Einsatz körperlicher Gewalt“ nicht möglich gewesen sei. 14 Personen wurden festgenommen, neun Polizisten verletzt. Zwei der betroffenen Beamten brachen den Einsatz ab - ein Beamter wegen eines Schocks, nachdem er mit einem Messer bedroht worden sein soll, eine Beamtin wegen eines Handbruchs.

Nach Festnahme ins Krankenhaus

Ein Festgenommener erlitt bei der Festnahme laut Polizei diverse Prellungen und klagte über Schmerzen beim Gehen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Später brachten ihn Beamte in ein Polizeigewahrsam und lieferten ihn für den polizeilichen Staatsschutz ein, der bei politischen Straftaten ermittelt.

Aus dem Umfeld der Besetzer hieß es anschließend, es sei eine „neue Stufe der Eskalation“ erreicht worden. Jede Räumung sei „ein Unrecht in einer Stadt, in der Menschen auf der Straße leben, während Häuser leer stehen“. Man werde sich durch eine „durchgedrehte Polizei nicht davon abhalten lassen, weiter Leerstand zu besetzen“ und sich die Stadt „aktiv und direkt zurückholen“.

Besetzung eines symbolischen Ortes

Der frühere Gemüseladen in der Wrangelstraße 77 hatte vor einigen Jahren als Symbol gegen steigende Mietpreise und Verdrängung Schlagzeilen gemacht. Dem Betreiber des Ladens Bizim Bakkal war vor einigen Jahren gekündigt worden. Nach Protesten wurde die Kündigung zurückgenommen. Der Besitzer hat das Geschäft später jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Es steht im Moment leer. Die Besetzer teilten mit: „Wir wollen, dass der Laden wieder mit Leben gefüllt wird. Dafür schlagen wir einen offenen, unkommerziellen Raum vor, der für unterschiedliche Projekte genutzt werden kann.“

Die Polizei war über Stunden mit der Auswertung des Geschehens am Samstag beschäftigt. Das Videomaterial werde weiter ausgewertet, hieß es am Sonntagnachmittag. (mit dpa)