Die künftigen Erstklässler Benedikt und Philipp spielen gerade Karten im Hort ihrer künftigen Schule. Uno-Karten. Den Hort besuchen beide schon seit einigen Wochen, weil das Kita-Jahr für sie schon Anfang August zu Ende gegangen war. Beide freuen sich darauf, dass die Schule nun endlich richtig beginnt. „Ich will besonders gerne Rechnen lernen“, sagt der dunkelblonde Philipp, der ein olivfarbenes T-Shirt mit einem Baggerbild trägt. „Und ich will richtig lesen lernen“, sagt Philipp, der Junge mit dem Spiderman-T-Shirt. „Ich kann auch schon meinen Namen schreiben“, fügt er an und malt in noch etwas schiefen Großbuchstaben tatsächlich schon ein „BENEDIKT“ auf ein Blatt Papier.

Beide haben bereits die Schulmensa kennengelernt, höchstens 25 Minuten Zeit für ein Essen hat da künftig jedes Kind, dann kommen die nächsten. Und Benedikt und Philipp haben beide das gleiche Lieblingsgericht: Nudeln mit Tomatensoße. Philipp mag aber auch Reis mit Soße. Seinen Klassenlehrer Ingo Gärtner hat er auch schon kurz auf dem Schulgelände kennengelernt. „Der ist lustig“, sagt Philipp.

Die Einschulungsfeier für die Erstklässler findet im FEZ, dem nahen Freizeit- und Erholungszentrum in der Wuhlheide statt. Dort gibt es einen großen Saal. Danach wird Philipp mit seiner Familie, zu der noch zwei kleinere Geschwister gehören, bei Oma und Opa feiern. „Ich weiß auch schon, was es zu essen gibt“, sagt er . „Nudelauflauf.“ Leider wird Philipp kaum Kinder aus seiner Kita-Gruppe in der Schule wiedertreffen. „Aber einer, den ich von dort kenne, geht in die Nachbarklasse.“ Die Frage, ob er schnell weitere Freunde kennenlernen wird, treibt ihn um. Das merkt man ihm an.

Klare Vorstellungen von dem, was sie einmal werden wollen, haben beide schon. „Feuerwehrmann“, sagt Philipp, der ansonsten bereits im Köpenicker Fußballsportverein Askania in der Abwehr spielt. Benedikt hat gleich drei Berufswünsche. „Erstens Tierarzt, ich habe ja auch eine Katze namens Fini“, sagte er. „Oder Schwimmer, ich trainiere nämlich.“ Auch Straßenbahnfahrer findet er interessant. „Denen gucke ich gerne zu.“ Und was soll in die Schultüte? „Viel Süßigkeiten, viel Zucker“, fordert Benedikt. Philipp fände ein Smartphone toll. Doch das kommt (noch) nicht in die Tüte.

Viele Rückstellungen

84 Erstklässler werden am Sonnabend in die Schule an der Wuhlheide aufgenommen. Das Schulgelände mit seinen alten Backsteinbauten ist recht weitläufig. Eine ganze Klasse aber, also mehr als 20 Kinder aus dem Einzugsbereich der Schule, ist auf Antrag der Eltern vom Schulbesuch zurückgestellt worden. Sie sind aus Sicht der Eltern noch nicht schulreif, deshalb werden sie erst ein Jahr später eingeschult. Diese Rückstellung ist nun wieder leichter möglich. Ab dem Schuljahr 2016/17 ist es dann auch offiziell. Nicht mehr der ganze Jahrgang ist dann schulpflichtig, sondern nur jene Kinder, die bis zum 30. September eines Jahrgangs geboren wurden. Erzieher und Lehrer an der Schule sind über die spätere Einschulung froh: In den vergangenen Jahren seien viele Erstklässler wegen der frühen Einschulung noch zu verspielt und in der Folge zu unkonzentriert gewesen. Der Einzugsbereich der Schule ist groß, reicht von der Edisonstraße im Ortsteil Oberschöneweide bis hin zum Stadion Alte Försterei. Naheliegend, dass die Schule auch mit dem Bundesliga-Zweitligisten Union Berlin kooperiert.

Benedikt und Philipp jedenfalls können es kaum erwarten, dass es jetzt endlich los geht mit der Schulzeit.

In den folgenden Abschnitten lesen Sie, wie sich eine Schule auf der Ankunft der Erstklässler einstellt. Zuerst: Wie ein Lehrer die Klassenaufteilung vornimmt und eine Erzieherin dafür sorgt, dass die Kinder sich nicht langweilen.