Welche psychologischen Auswirkungen hat es, wenn Roboter zu Kollegen werden? Wie kann man riesige Datenmengen einfacher nutzbar machen? Das sind nur einige Fragen, die künftig in Berlin erforscht werden sollen.

Insgesamt 50 neue IT-Professuren im Bereich der Digitalisierung schreiben die vier Berliner Universitäten in den nächsten Monaten aus. Am Montag stellten die Initiatoren des Projekts „Berliner Kreis zur Digitalisierung“, zusammen mit Vertretern der Berliner Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen die geplanten Professuren vor. Seit gestern sind 18 der insgesamt 50 Stellen öffentlich ausgeschrieben.

Das ist das Ergebnis des Großprojekts aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, welches der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Präsident der Technischen Universität (TU) Christian Thomsen im Dezember 2015 anhand einer 10-Punkte-Agenda ausgerufen hatten.

Sechs Jahre gesichert

Die genehmigten 50 Stellen sind größtenteils Juniorprofessuren und sollen am Einstein-Zentrum für Digitale Zukunft gebündelt werden, welches erst vor knapp einer Woche bewilligt wurde. Bei den Professuren handelt es sich nicht um reine IT-Stellen, sondern es sollen Schnittstellen in den unterschiedlichsten Forschungsbereichen abgedeckt werden. Die Themenschwerpunkte reichen über die Grundlagenforschung hinaus: Von der Rechtswissenschaft über die Archäologie bis zur Medizin sollen Verbindungen zur Digitalisierung geschaffen werden. „Die Professuren sind ganz bewusst interdisziplinär angelegt und sollen an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen forschen. Wir wollen hochschulübergreifend arbeiten. Anstelle neuer Einzelinitiativen soll es mit dem Projekt in Berlin mehr Verknüpfungen geben und neue Formen der Zusammenarbeit,“ sagt Odej Kao, Professor an der TU und designierter Sprecher des Einstein-Zentrums.

Es seien alles Bereiche, die „aktuelle gesellschaftliche Fragen berühren,“ stellt TU-Präsident Thomsen heraus: „Es soll uns gelingen, mit den Forschungsergebnissen aus den 50 Professuren auch Start-ups zu gründen, Arbeitsplätze zu schaffen, Steuern zu generieren und weitere internationale Spitzenleute nach Berlin zu locken.“

Im April 2017 sollen die Wissenschaftler ihre Arbeit beginnen können. Die Laufzeit für das Einstein-Zentrum beträgt erst einmal sechs Jahre. 38,5 Millionen Euro werden in die Hand genommen, die innerhalb der nächsten sechs Jahre in das neue Einstein-Zentrum fließen sollen. Es beteiligen sich dabei alle Partner aus Politik, Wissenschaft und Forschung. Damit ist das Einstein-Zentrum die bislang größte Forschungs-Kooperation solcher Art und einmalig in Deutschland.

Große Firmen beteiligt

Die acht außeruniversitären Forschungseinrichtungen – wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin oder drei Fraunhofer Institute – stellen 8,5 Millionen Euro bereit. Zwölf Millionen Euro stammen vom Berliner Senat, und das Land Berlin beteiligt sich mit sechs Millionen Euro.

Weitere zwölf Millionen Euro stellen beteiligte Unternehmen für das Projekt zur Verfügung. So sind die Telekom, Zalando, die Berliner Wasserbetriebe und 17 weitere Partner aus der Wirtschaft Teil des Großprojekts. Heinrich Arnold von der Telekom bekräftigt aber trotzdem die Unabhängigkeit der Forscher: „Wir erhoffen uns unvoreingenommene Impulse. Wir als Unternehmen profitieren am stärksten davon, wenn wir nah dran sind an den Kompetenzen.“

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sagte, für die Unternehmen sei die Hauptstadt zu einem Zentrum der Digitalisierung geworden. „Es ist nur folgerichtig, dass die Wirtschaft nun noch stärker die Wissenschaft fördert und die Finanzierung vieler dieser neuen Professuren sichert. Denn bislang dauert es oft zu lange, bis wissenschaftliche Ergebnisse den Weg in die betriebliche Praxis finden.“

Berlins Regierender Bürgermeister Müller (SPD) prophezeite, dass dies alles erst der Anfang sein wird: „Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren noch deutlich mehr als 50 Professuren schaffen werden.“