Berlin - Gefahrenzone! Betreten verboten! Das Schild sieht neu aus. Der Senat hat es an vielen Stellen an einem Bauzaun angebracht, der die Spreepromenade am Wikingerufer in Moabit absperrt. Der Zaun allerdings ist nicht neu, er verhindert nunmehr schon seit fünf Jahren, dass die Anwohner auf dem Uferweg zwischen der Gotzkowskybrücke und der Wullenweberstraße spazieren gehen können. Die wenigen Parkbänke dort sind verwaist und verwittert. Und auf dem Kiesboden hat sich Moos breitgemacht, weil dort niemand mehr lang läuft. Gesperrt ist der Weg aus Sicherheitsgründen, weil die schräge Uferwand viele Schäden und Risse aufweist. Sie ist nicht mehr standsicher.

Eine Ursache dafür könnten laut Senat die Bäume sein, die auf der Uferpromenade zu dicht an der Mauer stehen und deren Wurzeln die Steinwand Richtung Wasser drücken könnten. Bewiesen ist das aber nicht. „Die Uferwand wird 2018 saniert. Dazu ist es erforderlich, dass wir bereits in diesem Jahr die Verankerung hinter der Wand erneuern. 32 Bäume müssen deshalb jetzt gefällt werden“, sagt Petra Rohland, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Noch vor Beginn der Brutzeit sollen die Bäume weg, also spätestens bis Ende Februar. Der Bezirk wurde daher schon im vergangenen Jahr aufgefordert, die Bäume auf der Uferpromenade zu fällen.

Doch der stellt sich jetzt quer. „Wir lehnen die Baumfällungen ab, weil die Bäume standsicher sind. Wir sehen aus fachlicher Sicht keinen Grund, die Bäume zu beseitigen“, sagt Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne). Nach ihrer Einschätzung sind nicht die Bäume das Problem und auch nicht die Ursache für die Schäden an der Uferwand, „sondern die nicht ausreichende Wartung und Instandhaltung der Uferbefestigung“, so Weißler. Und solange sie nicht wisse, was überhaupt auf der Promenade geschieht und wie die Wand erneuert werden soll, könne sie keine Entscheidung treffen.

Auf Holz gebaut

Die Uferwand am Wikingerufer ist etwa 400 Meter lang. Sie steht dort schon seit mehr als 100 Jahren. Doch inzwischen scheint sie technisch an ihre Grenzen zu kommen. Über der Wasserkante sieht die Steinmauer sehr massiv aus, tatsächlich steht sie aber unter Wasser auf einer Konstruktion aus etwa sieben Meter langen Holzpfählen und Querbalken, jeder hat einen Durchmesser von fast 40 Zentimetern. Dahinter ist die eigentliche Uferbegrenzung aus 13 Zentimeter starken Holzpfählen in den Boden gerammt. Die steinerne Wand wiederum ist mit langen Stahlstangen an sogenannten Ankern befestigt, die unter der Promenade am Wikingerufer im Boden stecken.

Vermutet wird jetzt, dass der Stahl mürbe geworden ist und Verankerungen gerissen sein könnten. Eine Untersuchung im Oktober 2011 hatte zum Beispiel ergeben, dass die Standsicherheit der Ufermauer nicht nachgewiesen werden kann. Befürchtet wurde schon damals, dass die Mauer ohne Vorankündigung versagen könnte, also möglicherweise einstürzt. Daher wurde die Promenade sofort gesperrt, die Straße selbst aber nicht.

Mindestabstand für Schiffe

Außer dem Fuß- und Radverkehr am Wikingerufer ist auch die Schifffahrt auf der Spree von der Sperrung betroffen: Schiffe müssen laut Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin von der maroden Steinwand einen Mindestabstand von zehn Metern einhalten, das zeigen in diesem Spreeabschnitt große Bojen an.

„Sollten die Baumfällungen unausweichlich sein, erwarten wir eine Kompensation“, sagt Stadträtin Weißler. Ihr Ziel sei es, so viele Bäume wie möglich zu erhalten. Die Stadträtin kann natürlich nachvollziehen, dass die Uferwand dringend erneuert werden muss. Allerdings habe die Wasserbehörde ein schon für das Jahr 2014 angekündigtes Baumgutachten zum Wikingerufer noch immer nicht vorgelegt, so Weißler. „Solange das nicht passiert, gibt es keine Fällgenehmigung.“ Derzeit stehen weit mehr als 60 Bäume am Wikingerufer, somit sollen jetzt mehr als die Hälfte des Bestandes beseitigt werden.

Sanierung für sechs Millionen Euro

Wie die Uferwand saniert wird, vermag derzeit auch der Senat noch nicht zu sagen. Für die Arbeiten im kommenden Jahr sind bisher rund sechs Millionen Euro eingeplant. Fest steht aber: „Die ganze Uferwand muss erneuert werden“, sagt Sprecherin Petra Rohland. „Wir werden eine Anwohnerversammlung durchführen, um die Maßnahmen zu erklären.“ Zumal Baumfällungen in Berlin ein heikles Thema sind, wie vor Jahren das Beispiel Landwehrkanal gezeigt hat. Dort hatten sich Aktivisten angekettet, um mehrere Dutzend Bäume vor den Kettensägen zu retten. Das gelang.

Doch am Wikingerufer sind Baumfällungen unausweichlich. Das weiß auch Stadträtin Weißler. Denn etwa jeder zweite Baum steht viel zu dicht an der Uferwand – manche sind nur einen Meter von der Steinmauer entfernt.