Berlin - In der Berliner SPD offenbaren sich erneut tiefe Risse. Dieses Mal geht es um Staatssekretär Mark Rackles, einen profilierten SPD-Linken, den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag in den einstweiligen Ruhestand versetzen lassen will. Neue Bildungsstaatssekretärin soll die bisherige Pressesprecherin von Scheeres, Beate Stoffers,  werden.

Zu viel Konfliktstoff zwischen Rackles und Scheeres  hatte sich in den vergangenen Jahren angestaut, zuletzt lagen beide in Frage der Rückkehr zur Lehrerverbeamtung über Kreuz. In einer internen Mail, die Rackles an die Mitarbeiter schrieb, bedankte er sich "sehr herzlich für die vielen gemeinsamen Momente sowie für die großen und kleinen Erfolge im Sinne der Berliner Schule".

"Es ist mir wichtig zu betonen, dass die vorzeitige Versetzung in den einstweiligen Ruhestand im Einvernehmen erfolgt. Ich danke Sandra Scheeres für die Gelegenheit, die sie mir mit dem Amt gegeben hat", so Rackles. Er wünsche allen "MitarbeiterInnen und aktuellen und künftigen VerantwortungsträgerInnen weiterhin eine glückliche Hand bei der Bewältigung der bildungspolitischen Herausforderungen in Berlin".

Dass Scheeres ihrem Staatssekretär auch noch die Leitung der Taskfoce Schulbau übertragen hatte, zehrte seit längerer Zeit schon an Rackles. Mit seinem Abgang verliert die auch parteiintern umstrittene Senatorin eine wichtige Kontaktperson in die eigene Partei und Fraktion hinein. Denn Rackles, ein politischer Mensch durch und durch, galt vielen dort als Vertrauensperson und Vordenker. Auch beim Koalitionspartner Die Linke und Teilen der Grünen genießt er hohes Ansehen. In einer seiner eilig formulierten Denkschriften hatte er vor einiger Zeit sogar eine Vereinigung von SPD und Linker angeregt, "um das politische Schisma zu beenden".

Politikwissenschaftlerin und Verwaltungsfachfrau

Andererseits galt Rackles nicht wenigen Schulleiterin und der Opposition als Prototyp einer ideologisch getriebenen SPD-Bildungspolitik.

Mit Beate Stoffers, bereits seit 2010 Sprecherin in der Bildungsverwaltung, hat Scheeres eine hausinterne Nachfolgelösung gefunden. Wird die Senatsbildungsverwaltung jetzt zu Scheeres Trutzburg? Man könnte auch sagen, sie setzt auf Vertraute aus ihrer Umgebung. Stoffers ist keine langjährige Parteisoldatin, ihre SPD-Mitgliedschaft aus jungen Jahren gab sie später wieder ab. Erst im November 2018 trat sie wieder in die SPD ein.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Verwaltungsfachfrau, die wie Rackles drei Kinder hat, sammelte erste berufliche Erfahrungen in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, damals noch unter Peter Strieder (SPD). Später wechselte sie in die Privatwirtschaft, leitete die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Wall AG. Danach kam sie in die Bildungsverwaltung. Ihre Erfahrung aus dem Stadtentwicklungsressort könnte der Frau, die stets auf Details achtet, nun helfen. Denn die "Schulbauoffensive" ist eines der zentralen Projekte der zweiten Hälfte von Scheeres Amtsperiode.

"Das wird jetzt sehr eng für Scheeres"

Unklar ist, ob auch Stoffers die Leitung der Taskforce übernimmt. Ansonsten dürfte es verstärkt um Schulqualität gehen. Hier gewann Stoffers schon vor Jahren im Rahmen eines Austausches Einblicke in die recht strikte Praxis der Londoner Schulbehörde. Mitarbeiter ihrer eigenen Behörde bezeichnen sie als "Kontrollfreak". Wer seit fast neun Jahren täglich als Pressesprecherin die allgemeine Negativberichterstattung über die tatsächlich vorhandenen Problemlagen an Berliner Schulen im hauseigenen Pressespiegel liest, dürfte auf jeden Fall hart im Nehmen sein.

Einzelne Parteifreunde äußerten sich noch am Montagabend kritisch zu der Personalie. "Das wird jetzt sehr eng für Scheeres", hieß es. Andere sprachen gar vom nahenden Ende der Senatorin. Gordon Lemm (SPD), Schulstadtrat in Marzahn-Hellersdorf, betonte gegenüber der Berliner Zeitung hingegen, dass die wohl neue Staatssekretärin über viel Sachkenntnis verfüge und man mit ihr gut reden könne. Auch Norman Heise vom Landeselternausschuss sagte, er schätze ihre sachliche Art. Klar ist auf jeden Fall: Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wird die erste komplett weiblich dominierte Senatsverwaltung sein: Neben Scheeres und Stoffers gibt es da noch Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba (SPD).