Die Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv hat auf den ersten Blick wenig mit einer Berliner Schule zu tun. Doch Schulleiter Eli Nechama glaubt, dass seine Schule auch ein Vorbild für hiesige Bildungseinrichtungen in schwierigen Stadtteilen sein kann. Gerade ist der 56-Jährige im Zuge einer Bildungsreise in Berlin zu Besuch.

„Berlin ist Tel Aviv ähnlich, es ist liberal, aber die Stadtteile unterscheiden sich“, sagt Nechama. Früher war er Theaterregisseur, das fällt auf, wenn man mit ihm spricht. Er bewegt die Hände, fixiert sein Gegenüber mit wachen, dunklen Augen. Seine Schule liegt im armen Süden von Tel Aviv, dort wohnen vor allem Gastarbeiter und Flüchtlinge.

Die Bialik-Rogozin-Schule

Etwa die Hälfte seiner Schüler sind Kinder von Filipinos, die in Israel meist die einfachen Arbeiten verrichten. Die anderen Schüler stammen aus verschiedenen Staaten Afrikas und aus vielen weiteren Ländern. Sind nicht selten traumatisierte Flüchtlinge. Die Bialik-Rogozin-Schule ist also eine klassische Einwandererschule. Davon gibt es auch in Berlin viele.

Die Schule in Tel Aviv hat sich aber besonders darauf eingestellt. Die Lehrer haben sich bei der Neugründung im Jahr 2004 bewusst für diese Schule entschieden. „Normalerweise sind Telefonnummern von Lehrern für Schüler top secret“, sagt Nechama. „Bei uns geben viele Lehrer ihre privaten Telefonnummern raus.“ Um für die Schüler erreichbar zu sein, wenn es besondere Probleme gibt.

Die Einrichtung ist eine staatliche Schule, die aber viel privates Geld erhält. Beeindruckend ist, dass sich 350 Freiwillige ehrenamtlich für die Schule engagieren – darunter der Rentner Elazar Friedman, einst Personalchef bei IBM in Israel. Solch einflussreiche Leute ersetzen gewissermaßen die Elternvertreter, die es an dieser Schule leider nicht gibt.

„Jeder hat eine individuelle Exzellenz“

Nur mit Hilfe solcher Kontakte konnte auch die China-Reise gelingen. Die besten Leichtathleten der Schule, die meisten aus Afrika stammend, hatten die israelischen Meisterschaften gewonnen, obwohl viele im Sportverband sie dort gar nicht sehen wollten. Schulleiter Nechama wollte nun, dass diese Schüler auch an der Jugend-Weltmeisterschaft in China teilnehmen.

Und setzte sehr viel in Bewegung, damit die Flüchtlingskinder trotz ihres teils unsicheren Aufenthaltsstatus nach China reisen konnten und dort schließlich triumphierten. „Jeder hat eine individuelle Exzellenz“, sagt er. Sei es Musik oder eben Sport. Die müsse die Schule fördern.