Einzelhandel beklagt mögliche Maskenpflicht

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg warnt vor weiteren Einschränkungen zum Infektionsschutz. Das Echo von Geschäftsinhabern ist gemischt.

Einkaufen am Tauentzien: Derzeit mit und ohne Maske möglich 
Einkaufen am Tauentzien: Derzeit mit und ohne Maske möglich Berliner Zeitung/Markus Wächter

Das Weihnachtsgeschäft scheint in diesem Jahr eher zu drohen, als von den Einzelhändlern herbeigesehnt zu werden. Den Eindruck könnte zumindest bekommen, wer in diesen Tagen mit Phillip Haverkamp vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) spricht.

Der Sprecher des HBB konstatiert unter dem Eindruck von Inflation, Energiekrise und Krieg ein „wahnsinnig schlechtes Konsumklima“. Das sind schlechte Vorzeichen für die Monate November und Dezember. Einzelhändler erzielen in den beiden letzten Monaten in der Regel ein Viertel ihres jährlichen Gesamtumsatzes.

Gesundheitssenatorin will Maskenpflicht

Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) läutete mit ihrem Vorstoß für eine Maskenpflicht in Innenräumen nun obendrein nicht die Vorweihnachtszeit, sondern die Saison der Corona-Beschränkungen ein. Der Griff zur medizinischen Mund- und-Nase-Bedeckung soll im Einzelhandel, in Museen und in öffentlichen Gebäuden obligatorisch werden, fordert Gote.

Die Gesundheitssenatorin begründet die Notwendigkeit einer Maskenpflicht mit der Entwicklung der Herbstwelle und einer Belastung der Krankenhäuser.

Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey reagiert zurückhaltend auf die angestrebte Maskenpflicht. Sie wertet Gotes Plan als Vorschlag, der noch nicht im Senat besprochen wurde, und meldet offene Fragen an.

Sollte die Maskenpflicht im Einzelhandel kommen, wäre dies nach zwei Jahren Pandemie und inmitten eines kriegsbedingten wirtschaftlichen Abschwungs eine zusätzliche Belastung für die Geschäfte, sagt der Sprecher. Personal wäre damit beschäftigt, Kunden auf die vorgeschriebene Mund-und-Nase-Bedeckung aufmerksam zu machen. Die Maskenpflicht könnte erneut dazu führen, dass die Kundschaft lieber im Internet von zu Hause bestellt, warnt der Sprecher des HBB.

Verband fordert Kompensation für mögliche Umsatzverluste

Er meldet den Bedarf nach Kompensation für drohende Umsatzverluste an. „Die Konsumstimmung ist schlechter als im März 2020 und sie ist weiter im Sinkflug“, erklärt der Sprecher des HBB. Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie begann im März 2020.

Bereits jetzt bemerkten Geschäfte eine große Verunsicherung der Kunden. „Die Menschen kaufen lieber Eigenmarken statt Biowaren und schieben größere Ausgaben wie den Kauf eines Fernsehers auf“, sagt der Sprecher.

Weitere Einschränkungen werden befürchtet

Der Einzelhandel würde eine Maskenpflicht in seiner schwierigen Lage „ertragen“, erklärt er. Noch schärfere Einschränkungen wie etwa Zugangsbeschränkungen seien aber rote Linien. „Ich denke an 2G- oder 3G-Regeln, bei denen Mitarbeiter wieder zu Türstehern werden“, sagt der Sprecher.

Im Flugzeug braucht niemand eine Maske

Phillip Kühl

Die Kette Wunderwerk verkauft in Berlin nachhaltige Mode. Store-Manager Phillip Kühl kritisiert den Plan der Gesundheitssenatorin als ungerecht. Einzelhändler hätten sich stets um den Infektionsschutz bemüht, dabei seien sie nie der Treiber der Pandemie gewesen. „Im Flugzeug braucht niemand eine Maske. Das grenzt jetzt an Willkür“, sagt er.

Auf Großveranstaltungen gibt es keine Maskenpflicht

Kunden hätten in den Stores von Wunderwerk außerdem genügend Platz, um voneinander Abstand zu halten. Tatsächlich gibt es Kritik an einer fehlenden Stringenz des von Gote vorgeschlagenen Stufenplans. So müssen Besucher von Großveranstaltungen zunächst keine Masken tragen. Eine Ausweitung der Pflicht zur Mund-und-Nase-Bedeckung kann aber in weiteren Schritten auf andere Innenräume erfolgen.

Es sollten weitestgehend alle Einschränkungen vermieden werden.

Thomas Lengfelder, Dehoga

Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer vom Gastronomieverband Dehoga, stellt klar, dass er mit keiner Ausweitung der Maskenpflicht auf Lokale rechnet. „Es sollten weitestgehend alle Einschränkungen vermieden werden“, erklärt Lengfelder.

Nicht für alle Geschäfte würde sich mit einer obligatorischen Maskenpflicht etwas ändern. Wo Mitarbeiter den Kunden sehr nahe kommen, konnten Einzelhändler auch bisher vom Hausrecht Gebrauch machen und eine Mund-und-Nase-Bedeckung von ihren Kunden verlangen. Ein Optiker aus Charlottenburg glaubt, dass Kunden sich von einer Maskenpflicht nicht abschrecken lassen. „95 Prozent haben bei uns immer Verständnis gezeigt.“ Er könne die restlichen fünf Prozent auf die gesetzliche Regelung verweisen, sollte der Plan der Gesundheitssenatorin umgesetzt werden.