Berlin - Freude im Tierpark: Rund neun Monate nach dem plötzlichen Tod des kleinen Eisbären Fritz hat Eisbärin Tonja erneut Nachwuchs zur Welt gebracht. Das Jungtier kam in der Nacht vom 6. zum 7. Dezember in Tonjas Wurfhöhle zur Welt – still und heimlich. Die Pfleger bemerkten den Zuwachs erst am kommenden Tag, als sie bei Dienstantritt einen Blick auf die Videomonitore der Überwachungskameras in der Höhle warfen.

Schon seit geraumer Zeit wurde darüber spekuliert, ob die achtjährige Eisbärin Tonja wieder trächtig ist. Sie und Eisbär Wolodja hatten sich im Frühjahr mehrfach gepaart. „Die Schwangerschaft selbst bekommt man bei den Tieren allerdings kaum mit“, sagte Florian Sicks, der Eisbären-Kurator des Parks.

Nach Angaben von Sicks ist das Eisbären-Baby 30 Zentimeter groß und 600 Gramm schwer. „Man kann es mit einem großen Meerschweinchen vergleichen“, sagt der Kurator. So eine Schwangerschaft falle deshalb bei einer 250 Kilogramm schweren Bärin nicht auf.“

Auf die Tierpfleger wartet eine Menge Arbeit

Ende Oktober verzog sich Tonja plötzlich in ihre Wurfhöhle, wurde deutlich ruhiger, lehnte zuletzt sogar das Futter ab. Am 7. Dezember kamen die Tierpfleger am Morgen zur Arbeit. Pfleger Detlef Balkow bemerkte die Veränderung zuerst.

„Erst sahen wir das Jungtier auf dem Bild, dann hörten wir es auch – denn die Kleinen können gefühlt lauter schreien als Menschenbabys“, sagt er. „Wir waren glücklich. Aber wir wussten im gleichen Moment natürlich auch, dass jetzt viel Arbeit auf uns zukommt.“

Was sich in der Nacht weiter abgespielt hatte, sahen die Experten, als sie die Kamera-Bilder Sekunde für Sekunde überprüften. Eisbärin Tonja hatte zuerst noch ein Baby zur Welt gebracht – eine Totgeburt.

Die Ereignisse erinnern an die letzte Eisbären-Geburt

„Bei Eisbären kommt es häufig vor, dass bei zwei zur Welt gebrachten Tieren eines stirbt“, sagt Kurator Sicks. Tonja entsorgte das tote Tier selbst – und fraß es. „Auch das ist ein biologisch sinnvolles Verhalten. Dann sammeln sich auf dem toten Tier keine Keime, die die Mutter und das Baby bedrohen könnten.“ Außerdem locke ein Kadaver in der Natur Fressfeinde an. Und jedes Stück Fleisch sei in der Situation der Mutter eine wichtige Proteinquelle.

Die Ereignisse erinnern an die letzte Eisbären-Geburt: Im November 2016 hatte Tonja Eisbären-Zwillinge geworfen. Ein Tier verstarb unmittelbar nach der Geburt. Das zweite Jungtier konnten die Pfleger aufpäppeln. Das Männchen bekam später den Namen „Fritz“, ging allerdings nur vier Monate nach der Geburt an einer Lebererkrankung zugrunde – noch bevor der kleine Bär den Berlinern offiziell vorgestellt werden konnte.

Nun hofft man, dass es beim neuen Nachwuchs anders kommt. Tonja und ihrem Bärchen geht es derzeit jedenfalls gut. „Sie kümmert sich sehr liebevoll darum, putzt es, hält es zwischen den Vordertatzen. Und wenn es mal kurzzeitig den Kontakt zur Mutter verliert, beschwert es sich lautstark“, sagt Sicks. „Auch das Trinken hat das Baby schon für sich entdeckt, wir hören ständig das laute Schmatzen.“

Eisbär Wolodja bekommt von alldem nichts mit

Ein Geräusch, das für die Pfleger momentan sehr wichtig ist. Sie können die Wurfhöhle noch nicht betreten und vergewissern sich so, dass der kleine Bär noch am Leben ist. „ Da das Tier momentan noch nackt ist, versteckt Tonja es sehr oft unter den Tatzen und deckt es zu.“

Eisbär Wolodja bekommt von alldem nichts mit. „Bei den Eisbären sind die Männchen nicht an der Aufzucht des Nachwuchs interessiert“, sagt Kurator Sicks. Stattdessen stolziert der stattliche Bär durchs Gehege.

In der kommenden Zeit wird das Baby überwacht, die ersten zehn Tage sind die kritischsten. „Es ist nicht auszuschließen, dass das Baby die Zeit nicht überlebt“, sagt Sicks. Die Wurfhöhle bleibe derzeit allein Tonjas Reich, erklärt Tierpfleger Detlef Balkow. 

Ein kleiner Eisbär lockt Besucher in den Tierpark

Erst in einem Monat könne man darüber nachdenken, mit dem Füttern zu beginnen. „Wir werden Tonja das Jungtier auf keinen Fall wegnehmen, denn es muss bei der Mutter aufwachsen.“

Bis der Nachwuchs zum ersten Mal draußen herumtoben darf und für die Besucher zu sehen sein wird, werden mindestens drei Monate vergehen. Im Tierpark hofft man darauf, dass das Bärchen alles übersteht und schon bald viele Besucher in den Park zieht.

Immerhin ist so ein kleiner Eisbär ein großer Publikumsmagnet. Die Besucher würden dann auch mitbekommen, „wie hübsch der Tierpark ist – und dass es auch andere Tiere gibt“, sagt Kurator Florian Sicks.