Eisdiele „Anna Durkes“: Gutes Gelato aus Kreuzberg

Berlin - Anna Luisa steht hinten in ihrem Laboratorium an der Eismaschine; sie grüßt durch die Scheibe. Georgio Sau, ihr Ehemann, kümmert sich vorn im Laden um den Kaffee und den Verkauf der kalten Köstlichkeiten.

Die beiden Italiener leben ihren Traum, und die kleine Eisdiele „Anna Durkes“ in der Kreuzberger Graefestraße ist ihr Wohnzimmer, in dem sie jeder besuchen kann. „Uns gibt es jetzt die vierte Saison“, erzählt Anna, „und aus vielen Kunden sind gute Freunde geworden.“ Das wäre in Mailand, wo die beiden Sarden vorher 20 Jahre gelebt haben, nie passiert, ergänzt Georgio: „So etwas gibt es nur in Berlin.“

Das Abenteuer begann mit dem Berlin-Marathon im Jahre 2008. „Damals hatten wir noch Zeit für Sport“, sagt die 47-Jährige und lacht. Die Stadt gefiel ihnen so gut, dass die beiden – sie Biologin, er Rechtsanwalt von Beruf – den Impuls verspürten, in Berlin ein neues Leben zu beginnen. Blieb die Frage, womit hier Geld verdienen? „Wir haben uns, wie wohl alle Italiener, schon immer für gutes Essen interessiert und lieben Eis über alles“, erzählt Georgio, „warum also nicht gutes, handgemachtes Eis anbieten?“

Wie Gesichtscreme, nur kalt

Anna Luisa erlernte bei einem guten Eismeister in Italien das Eismachen. Was nicht schwer war, wie sie berichtet. Im Prinzip arbeite sie mit der gleichen Maschine wie früher in der Kosmetikfabrik, nur dass sie damals eben Gesichtscreme hergestellt habe. Sie belegten beide einen Deutschkurs. Und Georgio kaufte sich ein Buch über Geschäftsgründungen in Deutschland und arbeitete sich mit Hilfe eines Wörterbuchs in das deutsche Steuerrecht ein. Von ihren Ersparnissen kauften sie eine kleine Wohnung in Berlin und machten sich auf die Suche nach einem Laden.

Sie haben den Schritt nie bereut. „Ich kenne so viele Leute in Mailand, ehemalige Kollegen und Bekannte, die gestresst und depressiv sind“, erzählt Georgio. „Ihnen sage ich immer: Macht etwas mit euren Händen! Das ist die beste Therapie.“
Er hat es am eigenen Leibe erlebt: Nicht nur Eisessen macht glücklich, sondern auch Eis herstellen und verkaufen. „In diesem Beruf kriegst du gute Laune, zwangsläufig“, sagt der 44-Jährige.

Matthias Becker, der mit seinem kleinen Sohn im Tragetuch vor der Brust gerade in den Laden geschlendert kommt, bestätigt fröhlich: Er sei auf seinem Spaziergang extra einen Umweg gelaufen, um hier Eis zu essen. Man schmecke, dass in dieser Eisdiele mit Leidenschaft und Sinn für Qualität gearbeitet werde. Es sei nur schade, dass der Kleine noch nicht von dem guten Feigeneis probieren könne, sagt Becker.

Der Name „Durkes“ ist übrigens sardischer Dialekt und bezeichnet eine Süßigkeit in Sardinien. Ebenfalls eine Reminiszenz an die Heimat: Brioche con Gelato. Das ist ein aufgeschnittenes Kuchenbrötchen, mit einer Kugel Eis und etwas Schlagsahne belegt. Sieht aus wie ein Windbeutel.

Gern ein Löffelchen zur Probe

Den Genießer erwarten 20 Sorten Eis – acht Sorbets und zwölf Sorten Gelato, wie das Milcheis in Italien genannt wird. Beide Eisarten sind fein getrennt untergebracht, weil Sorbet und Gelato unterschiedliche Kühltemperaturen brauchen. Die Namen stehen in italienisch an der Theke – Gianduja (für Schoko mit Haselnuss) oder Crema al Limone (Vanilleeis mit geriebener Zitronenschale). Wer die Bezeichnung nicht versteht oder unsicher ist in seiner Qual der Wahl, darf auch ein Löffelchen kosten.

An normalen Tagen stellt Anna 100 bis 120 Kilogramm Eis her, an Sonntagen das Doppelte. Alles ist handgemacht, nach eigenen, fein ausgewogenen Rezepten, ohne Konservierungsstoffe. Verwendet werden nur beste Zutaten aus biologischer Produktion. Aus Italien zum Beispiel Pistazien, Haselnüsse, Mandeln und Ricotta, aus Frankreich die Schokolade und aus Brandenburg Milch und Sahne. Die deutsche Milch sei deutlich besser als die italienische, sagt Georgio.

„Ich glaube, die Leute haben unsere Philosophie jetzt verstanden, und es ist uns gelungen, die Assoziationskette Eis – Kinder – Spielplatz – bunt – süß zu unterbrechen“, sagt er. Eis sei ein edles Produkt, auch für Erwachsene. Gutes Gelato könne für Kinder sogar eine vollwertige Mahlzeit sein, meint jedenfalls Annas Vater. Und der ist Kinderarzt.

Der Eisladen „Anna Durkes“ befindet sich in der Graefestraße 80, nur 3 Minuten zu Fuß vom U-Bahnhof Schönleinstraße entfernt.

Geöffnet ist an sieben Tagen die Woche, bei schlechtem Wetter von 13 bis 20 Uhr. Bei Hitze deutlich länger, bis das Eis alle ist.

Die Kugel kostet 1,20 Euro.

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