Eisenbahngeschichte in Berlin: Hier stehen die zwei letzten Rundlokhallen Deutschlands

Rummelsburg/Pankow - Nur zwei „Rundlokhallen“ aus der frühen Eisenbahngeschichte gibt es noch in Deutschland. Das sind Schuppen, in denen Lokomotiven gewartet wurden, die Loks ließen sich sternförmig hinein rangieren. Beide Rundhäuser stehen in Berlin. Eines in Rummelsburg, es verfällt zunehmend und ist ziemlich versteckt.

Das andere liegt in Pankow-Heinersdorf, sehr markant an der S-Bahn und an der Autobahnzufahrt: Jeder kennt es, es gehört einfach zum Weg nach Norden dazu, wie ein alter Nachbar, ein Faktotum am Straßenrand – „Ach, du auch noch da“. Zumindest kurz blitzt stets im Vorbeifahren seine Schönheit auf, die Leichtigkeit der Kuppel, obwohl sie eine Ruine ist.

Als eine entrückte Schöne hat auch Matilda Riebe, Gymnasiastin aus Karlshorst, den eigentlich schnöden Schuppen erlebt und mit einem Foto davon kürzlich einen Preis gewonnen. Schüler waren im letzten Jahr aufgerufen worden, Industriespuren in Berlin zu fotografieren. Noch bis zum 8. Februar ist das Bild „Lost Roundhouse“, das entschwundene Rundhaus, der 17-jährigen Matilda gemeinsam mit anderen Wettbewerbsbeiträgen im Industriesalon Schöneweide zu sehen.

Ausstellungen auf Bahnanlagen, Ex-Brauerein, Umspannwerken

Fast jedes der ausgestellten Motive meint man sofort zu erkennen, und das beweist ja nur, wie präsent diese Bekannten sind. Die jüngsten Berliner haben die alten Backsteinbauten, Kräne und Schienen gesucht, all das, was die Stadt einst groß gemacht hat. Viele Gebäude sind noch intakt, haben jedoch neue Funktionen, andere sind eben solche verwunschenen „Lost Beauties“, wie sie Hobbyfotografen so lieben. 

Schon Zehnjährige waren bei der Suche dabei. „Oft haben wir gehört, dass die Schüler hinterher mit einem anderen Blick durch die Stadt gingen“, sagt Marco Ruhlig, Mitarbeiter im Studiengang Museumsmanagement der Hochschule für Technik und Wirtschaft, die den Wettbewerb mitorganisiert hat.

Weitere Spurensucher-Projekte dieser Art sollen folgen. Schon bald, nämlich 2020, steht das einhundertjährige Jubiläum der Gründung von „Groß-Berlin“ an. Die Erinnerung daran wird ein Hochfest für alle Industriekultur-Interessierten, mit schon absehbaren Ausstellungen auf einstigen Bahnanlagen der Stadt, in Ex-Brauereien, Umspannwerken, Gasometern.

Rundlokschuppen in Heinersdorf könnte neue Chance bekommen

Ein Hoffnungsschimmer wäre, wenn dann auch der verlassene Rundlokschuppen in Heinersdorf seine neue Chance bekäme. Die denkmalgeschützte Rotunde gehört zum Gelände des alten Rangierbahnhofs, den ein Berliner Möbelunternehmer zum Stadtquartier „Pankower Tor“ entwickeln lässt.

Sie liegt dort ganz am Rand und bleibt zunächst unberührt, das heißt, vergammelt weiter. Erbaut wurde der Kuppelbau schon 1893, vor mehr als 125 Jahren. Bis zu 24 Lokomotiven wurden darin bei Bedarf repariert.