Berlin - Sonntagnachmittag, Stargarder Straße 73, Prenzlauer Berg: Acht Gäste stehen bei sonnigem Wetter an der Theke vom Eisladen Hokey Pokey, Eltern mit Kindern, ein Pärchen, einige spanische Touristen. Eine Kugel Eis bestellen die meisten, das muss reichen, denn eine Portion kostet immerhin 1,60 Euro.

Teureres Eis, weniger Kundschaft, das ist eine merkwürdige Geschäftsidee. Doch Eisladen-Inhaber Niko Robert hat sich nicht mehr anders zu helfen gewusst. Weil der Andrang vor seinem Laden immer größer wurde, hatten sich Nachbarn und Geschäftsinhaber von nebenan bei ihm beschwert. „Auf dem Gehweg gab es teilweise richtig Tumult“, sagt Niko Robert. Man drohte ihm mit Strafanzeigen und zivilrechtlichen Entschädigungen, das Ordnungsamt werde den Laden schließen, sagte ihm jemand. Er sei doch verantwortlich für das, was auf der Straße passiere. So viel Ärger wollte Niko Robert nicht haben. Seit Juni 2011 betreibt der 32-Jährige seine Eisdiele, er fühle sich wohl im Kiez, er wolle sich mit allen gut verstehen.

Vor ein paar Tagen erhöhte Niko Robert die Preise. 1,60 Euro kostet seitdem eine Kugel Eis. Über den Fall hatten Zeitungen im ganzen Land berichtet. Plötzlich war die Eisdiele Hokey Pokey die berühmteste der Stadt. Doch lange Warteschlangen und unpassierbare Gehwege, die mit Fahrrädern und Kinderwagen zugestellt sind, die gibt es nun nicht mehr. Die Abschreckungsmethode war erfolgreich. „Die Lage hat sich entspannt, es ist deutlich harmonischer geworden“, sagt Niko Robert am Sonntagnachmittag. Einige Kunden seien weggeblieben, manche seien neu hinzugekommen.
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Auch rechtliche Konsequenzen muss der Eisladen-Besitzer nicht fürchten. Die Behauptung, das Ordnungsamt könne seinen Laden schließen, weil es zu viele Gäste gebe, war schlichtweg falsch. „Für das Ordnungsamt gibt es keinen Grund, tätig zu werden, weil vor einem Laden zu viele Kunden stehen“, sagte der zuständige Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten in Pankow, Torsten Kühne (CDU) am Sonntag. Gehwege seien nun mal für Fußgänger da, notfalls seien sie auch mal mit Warteschlangen gefüllt.

Er habe keine gravierenden gewerberechtlichen Verstöße feststellen können. Bisher habe sich ein Anwohner beim Ordnungsamt über die Eisdiele beschwert. „Das ist sehr unauffällig für Prenzlauer-Berg-Verhältnisse“, sagt Kühne. Mit anderen Cafés und Kneipen gebe es mehr Probleme. Letzte Woche hat sich Kühne mit Eisdielen-Inhaber Niko Robert getroffen. „Ich kann wieder ruhiger arbeiten“, sagt dieser.

Den Eispreis will er nicht senken. 1,60 Euro für eine Kugel, das bleibt. Vielmehr will der Eishersteller seine Sorten, etwa Walnuss Brownie, Mohnmarzipan, Rhabarber Creme fraiche und französische Schokolade, weiter qualitativ verbessern.
Und auch die Idee, sich einen neuen Laden zu suchen, sei vorerst vom Tisch, sagt Niko Robert. Jedenfalls in dieser Saison.