Eklat im ZDF-Morgenmagazin: Moderatorin Dunja Hayali reagiert bemerkenswert ruhig

Diese Frau polarisiert. Die einen loben Dunja Hayalis Zivilcourage und ihre Bereitschaft, über unangenehme Themen zu diskutieren. Die anderen stört die konfrontative Art der Moderatorin, sie empfinden ihr Auftreten auf Twitter und Co. mitunter als unsensibel und werfen ihr mangelnde Neutralität vor, weil sie neben ihrem Beruf als Journalistin auch Fachkongresse von Unternehmen moderiert.

Dunja Hayali reagierte bemerkenswert professionell und ruhig

Für ihr Verhalten am Mittwochmorgen allerdings erntete die 44-Jährige fast ausschließlich Lob. In der Livesendung des ZDF-„Morgenmagazins“ waren Hayali und ihr Kollege Andreas Wunn gerade dabei, den nächsten Beitrag anzumoderieren, als eine Zuschauerin auf die Bühne stürmte, die verblüffte Moderatorin grob beiseiteschob und über die Lügenpresse schimpfte. Hayali und Wunn reagierten souverän. Sie versuchten, die Frau zu beruhigen und boten ihr an, nach der Sendung mit ihr zu sprechen, was nach Angaben des Senders auch geschah.

Bemerkenswerter als der professionelle Umgang der Moderatoren mit der Situation war die demonstrative Ruhe, mit der Hayali reagierte. Bevor Andreas Wunn zu den Nachrichten schalten ließ, um die Situation nicht vor laufenden Kameras klären zu müssen, wirkte es, als wäre Hayali durchaus bereit gewesen, der Störenden den Raum zu geben, ihr Anliegen – sofern sie denn eines hatte – in der Sendung vorzutragen.

Dunja Hayali tritt auch in Dialog mit „Lügenpresse“ schreienden Demonstranten

Man kann darüber diskutieren, ob das eine zielführende oder gar sinnvolle Unternehmung gewesen wäre. Sich mit Gewalt den Senderaum und das Publikum anzueignen, um die eigene Meinung loszuwerden, liegt kaum im Interesse einer öffentlichen Debattenkultur. Dunja Hayalis spontane Reaktion zeigt aber, dass die Moderatorin ihr Credo, immer auch die andere Meinung zuzulassen, regelrecht verinnerlicht hat.

Die Bereitschaft für einen Perspektivwechsel hat sie oft bewiesen, auch in Situationen, die deutlich bedrohlicher waren als der Zwischenfall im Studio. In den sozialen Netzwerken hält die Tochter irakischer Christen regelmäßig rassistischen Hassreden stand. Und sie wagte sich auch unter „Lügenpresse“ schreiende Demonstranten, um mit ihnen den Dialog zu suchen.

Man kann Dunja Hayali nicht vorwerfen, sich je vor einer Konfrontation gedrückt zu haben, selbst, wenn diese ihr eigenes Weltbild infrage stellte. Von dieser Einstellung zeugt ein Satz, der an ihren Twitter-Account angeheftet ist: „Dass du recht hast, heißt nicht, dass ich unrecht habe. Du hast das Leben einfach nicht von meiner Seite gesehen.“