Potsdam - Die Wasserstände der Flüsse sind im Süden Brandenburgs schnell gestiegen und haben Sorgen vor einem neuen Jahrhunderthochwasser geweckt. Das Landesumweltamt meldete am Dienstag die höchste Alarmstufe 4 für die Spree am Pegel Spremberg und für den Elbe-Nebenfluss Schwarze Elster am Pegel Bad Liebenwerda.

Der Wasserstand stieg in Spremberg auf vier Meter, etwa viermal höher als sonst. Zum Schutz von niedrig gelegenen Stadtteilen sollen Notdeiche beitragen, sagte Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Zwei Schutzbarrieren aus Sandsäcken in der Nähe des Flussufers seien fertig, eine dritte im Bau. An den Arbeiten seien mehr als 70 Feuerwehrleute und andere Helfer beteiligt. Für den Fall einer Evakuierung werde eine Turnhalle für die betroffenen Menschen hergerichtet.

Sorgenvolle Blicke richten sich vor allem auf die Mittlere Elbe. Der Fluss bringt aus Sachsen große Wassermassen mit und dürfte nach Auskunft des Landesumweltamtes im Raum Mühlberg (Elbe-Elster) in der Nacht zum Mittwoch die Stufe 4 erreichen, das wären 7,80 Meter. Auch zehn Meter werden nicht mehr ausgeschlossen.

Bei der Jahrhundertflut im August 2002 stieg das Wasser bei Mühlberg bis auf die Rekordmarke von 9,98 Meter, doch die Deiche hielten dem Druck stand. Am Elbe-Pegel Wittenberge (Prignitz) wurde für Donnerstag mit der höchsten Alarmstufe 4 gerechnet.

An der Schwarzen Elster hat der Pegel der Schwarzen Elster in Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe Elster) nach Angaben des Landesumweltamtes den Richtwert der höchsten Alarmstufe 4 bereits überschritten. Mit rund 3,10 Meter sei der Wasserstand fünfmal so hoch wie normal. Tausende Sandsäcke wurden dort zum Schutz der Deiche verbaut.

In Herzberg, im Jahr 2002 wochenlang von Hochwasser bedroht, würden vorsorglich Sandsäcke gefüllt. Auch Mühlberg an der Elbe drohe die höchste Alarmstufe 4. An der Oder, die 1997 beim sogenannten Jahrhunderthochwasser besonders betroffen war, gebe es bisher dagegen keine Probleme.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat indes vor Panikmache und Hysterie gewarnt. „Es gibt keinen Anlass, Angst zu verbreiten“, sagte er am Dienstag in Perleberg (Landkreis Prignitz) bei einem Besuch im Brand- und Katastrophenschutzzentrum des Landkreises.

Es werde aber ein starkes Hochwasser und das Jahrhunderthochwasser von 2002 übertreffen. „Ich glaube, wir sind gut gewappnet“, betonte er. Alles was getan werden konnte, sei getan worden. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Sicherungsmaßnahmen für den Hochwasserschutz getroffen worden.

Umweltministerin Anita Tack (Linke) sagte nach einem Besuch des Hochwasser-Lagezentrums in Herzberg (Elbe-Elster), an der Elbe sei viel in die Deichsanierung investiert worden. Dort hat die Schwarze Elster bereits ihr Flussbett verlassen, fließt aber noch innerhalb der Deiche in Richtung Elbe.

Es seien viele Schwachstellen behoben worden, die in den vergangenen Jahren Probleme bereiteten, betonte Tack. Doch Deichbaustellen wie bei Herzberg und Mühlberg seien bei Hochwasser Schwachstellen. „Wir gehen davon aus, dass die Deiche halten werden“, versicherte die Ministerin. Seit Anfang der 1990er Jahre flossen nach Behördenangaben mehr als 300 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Brandenburgs Deichen, vor allem an Oder und Elbe.

Eisenschlamm in den Spreewald

An der Spree haben die Verantwortlichen auf die Wassermassen reagiert. So soll mehr Wasser aus der sächsischen Talsperre Bautzen abgeleitet werden, um deren Überlaufen zu verhindern. Auch aus der Talsperre Spremberg soll mehr Wasser in die nach Cottbus fließende Spree abgelassen werden. Sonst könne hier der Damm brechen, hieß es aus dem Landesumweltamt. Der Radiosender rbb berichtet, man nehme dabei in Kauf , dass noch mehr Eisenschlamm aus der Talsperre in Richtung Spreewald gespült werde.

Jana Eitner vom Aktionsbündnis "Klare Spree" hatte es am Montag als Horrorszenario bezeichnet, wenn weiteres Wasser mit Eisenschlamm abgelassen werden müsse, so der rbb. Die weitere Verschmutzung des Wassers im Spreewald sei die Folge. Die Sprecherin forderte schnelle Maßnahmen, um die rostbraune Verfärbung durch die Tagebauschlämme "ein für alle Mal zu stoppen."

Die Talsperre Spremberg nimmt einen Großteil des durch den Braunkohletagebau in der Lausitz verschmutzten Wassers auf und fungiert als eine Art Puffer, bevor das Wasser den Spreewald erreicht. (dpa)